Briefe an Ernst Rowohlt

 

An Ernst Rowohlt

Berlin-Friedenau, Thorwaldsen 20. 17. Juni 1910.
Lieber Herr Rowohlt!
Schönsten Dank für Brief u. Correktur. Letztere anbei. Und ich habe noch 3 Schlußseiten zugefügt; denen entsprechend können Sie in den Anzeigen erklären, daß eine Lösung des Problems jetzt endgiltig vorliegt. Diese eine ist »tatsächlich« das Mühlenrad – das Hinaufheben des Wassers wird da durch die Sonne perpetuirlich besorgt. Das Mühlenrad brauchen Sie in den Anzeigen nicht erwähnen – dann wirds ein Hauptspaß. Wenn ich bei den Anzeigen behilflich sein soll mit gutem Rat, bin ichs gern – nötig erscheints mir aber nicht in jedem Fall.
Umschlag, Titel, Vignetten überlasse ich ganz Ihrem Geschmack – den zu entwickeln, haben Sie mehr Gelegenheit als ich – Bei Drugulin leicht möglich.
Im Bibliographischen lassen Sie wol nur den »gefesselten Kometen« fort -nicht wahr? Abzug der Bibl. bekomm ich wol – auch – mit den Kater­notizen?
Ich wäre dankbar.
Ich sage Perpeh – um den Ton auf die zweite Silbe zu legen – das t gehört zur dritten Silbe. Ich will auch dem Auto ein Aehnliches geben – u. liebe die Worte mit vollem Vokal am Schluß so sehr. Darum das h – das t zu hart. Das Originalmanuskr. sende ich, wenn ich 99-101 mit den Revisionsbogen bekommen habe.
Die »Revision« erwarte ich nun mit Sehnsucht.
Bitte senden Sie an Harden nur die Revisionsbogen – er hat schon die Selbtanzeige und schrieb mir schon letzten Montag, daß er die Sache gern bringen wird. Ich bat – spätestens Anfang Juli. Recensentenliste kommt in nächster Woche. Dann auch Näheres über die alten Originalmanuscripte, die schon ge­druckt sind – erhielt gestern vollständiges Kometentanz-Manuscript von Richard Strauss, das der tatsächlich 10 Jahre dabehalten hat. Ich hatte es schon vergessen.
Vom Mechaniker erhielt ich heute eine Karte, daß jetzt die Sache in Arbeit und das Modell bestimmt Anfang nächster Woche fertig ist. Na – schön ist die Hoffnung.
Die Anthologie hatte ich gleich nach Ihrem Hiersein in der Idee fertig. Und zwar: so einfach darfs nicht gemacht werden. »Das Beste« solls sein. Aber -ich möchte einen Rahmen dazu. Ich bin ja schon im Rahmenmachen geübt – er soll prickelnd leicht und sehr lustig werden.
Ich möchte dabei von allen Büchern etwas erzählen – so bekommen die Ge­schichten einen Zusammenhang. Ich lasse mich »so ungefähr« verhaften, werde auf eine einsame Havelinsel gebracht u komme dort in ein Perlen-schloss, das einem Legationsrat gehört. Und dem muß ich nun alles Staats­gefährliche erzählen – und der erklärt alles für formlos – oder so ähnlich. Dieser Rahmen soll ganz neuartig wirken. Ich möchte die Sache so betiteln:
Der Legationsrat Fedor von Hahn
Eine »wahre« Geschichte von Paul Scheerbart
mit vielen Stücken aus allen seinen Büchern.
Das Schloss des Legationsrats wird entzückend – ich denke, daß das Ganze 400 geschriebene Seiten fassen könnte – das ließe sich auf 200 gedruckte bringen. Wärs nicht zu viel? – sonst würd ich mich einschränken. Aber ich dächte: evtl ließe sich auch Ladenpreis 2 M 50 möglich machen. Sie können überzeugt sein, daß der Rahmen so federnd leicht u. elegant -wie nur möglich wird – u. mit ausgelassenstem Uebermut soll die Sache schwungvoll u packend sein – u. sehr leicht – ganz verständlich – und dann das Beste in c 50 Stücken dazwischen. Wärs Ihnen so recht? Für baldige Nachricht wäre ich dankbar. Im Juli kann die Sache fertig werden.
Mir gehts so ziemlich – das Correkturlesen hat mich heute mächtig ange­strengt. Aber ich hoffe, daß die Geschichte auch zu meinem Bestem gehört. Hoffentlich gehts Ihnen auch gut.

Mit vielen Grüßen – auch von meiner Frau –

bin ich Ihr ergebenster Paul Scheerbart

An Ernst Rowohlt

Berlin-Friedenau, Thorwaldsen Str 20.

7. Juli 1910.

Lieber Herr Rowohlt! Es ist mir schrecklich angenehm, daß sich die Druck­legung noch etwas verzögert. Morgen bringt mir der Mechaniker das Mo­dell. Es wird noch eine Veränderung nötig sein. Und ich glaube: die wird die Lösung des Ganzen bringen. Demnach würden Sie mir einen großen Ge­fallen tun, wenn Sie c. 10 Tage hindurch nichts beschleunigen möchten.

Mit perpetuirlichen Grüssen

Ganz

Ihr

Paul Scheerbart

Recensentenliste hab ich schon aufgestellt.

An Ernst Rowohlt

Berlin-Friedenau, Thorwaldsen Str 20 13. Juli 1910.
Lieber Herr Rowohlt! Aus heiligendem Schlußsatz ersehen Sie, daß das Pro­blem endgiltig gelöst ist. Der Patentanwalt erklärte mir, daß er nichts da­gegen sagen könnte. Jetzt genügt ein Rad. Es ist sehr sehr verblüffend. Der Mechaniker will (ein einfacher Fahrradreparateur) will Freitag Abend mit dem sehr einfachen Modell fertig sein. Dann – oder Sonnabend Weiteres.
Ich überlasse Ihnen nun, ob Sie gleich nach Erledigung der Revision drucken wollen – oder später.

Mit perpetuirlichen Grüßen

Ganz Ihr

Paul Scheerbart


An Ernst Rowohlt

Berlin-Friedenau, Thorwaldsen Str 20. 13. Aug. 1910.
Lieber Herr Rowohlt!
Die Zeichnung ist einfach grandios. Ich bin entzückt. Die wird sehr wirk­sam sein. Anbei als Drucksache die Revision u. Correktur. Ich lasse heute noch vom Schlosser die letzte Kleinigkeit für das Modell machen. Ich glaube, daß heute noch das Ziel auch praktisch erreicht wird!!!

Mit den besten Grüssen

bin ich Ihr

ergebener

Paul Scheerbart

Randbeschriftung:
Manuscript des Perpetuum sende ich in nächster Woche.

An Ernst Rowohlt
Stempel: Paul Scheerbart Gr. Lichterfelde W. Marschner-Str. 15 L

6, Sept. 1910.

Lieber Herr Rowohlt! Sie haben wol die Güte, meine neue Adresse zu noti-ren. Morgen Mittwoch ziehen wir um. Dann sende ich auch die Manus­kripte.
Zukunft haben Sie erhalten, nicht wahr? Wann wird das Buch fertig sein? Ich wäre Ihnen für eine baldige Nachricht sehr dankbar. Ueber die Modell­geschichte sprechen wir wol am besten mündlich. Resultatlos ist die Ge­schichte tatsächlich nicht. Aber – es ist natürlich noch ein Aber dabei. Ueber die Manuskripte von Kometentanz Ich liebe Dich! Immer mutig! Gr. Revolution etc schreibe ich von der neuen Wohnung aus. Der Umzug macht so viel Plackerei, daß wir ganz kaputt sind.

Mit perpetuirlichen Grüßen – auch von meiner Frau –

bin ich

Ihr

ergebenster

Paul Scheerbart


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