Marduk

Die stille Nacht

ps_266 König Sargon saß neben Balatu und sprach:

»Du hast mir Lehren gegeben. Und ich habe sie befolgt. Und ich bin ein andrer geworden. Immer wieder an unsern großen Gott, den Retter Marduk, denken – in jeder Stunde – zwölfmal5) am Tage. Das beruhigt. Ich hab’s manchmal in der ersten Zeit vergessen. Jetzt aber vergeß ich’s nicht mehr. Ich weiß, daß in mir der große Gott lebendig ist, der dort oben am Himmel auch in jenem leuchtenden Wandelsterne lebendig ist. Und jetzt, Balatu, bin ich ruhig. Ich weiß, daß alles Geschehen auf Erden nur ein Spiegelbild des Himmels ist. Was auf der Erde geschieht, ist im Himmel vorgezeichnet. Das eine ist ohne das andre nicht denkbar. Darum bin ich siegreich gewesen. Und darum werde ich siegreich sein.«

Balatu sagte leise:

»Deine Nachkommen werden auch über Assyrien herrschen. Dein Geschlecht – deine Nachkommen, die Könige, werden Assyrien groß machen.«

»Von mir sprichst Du nicht!« sagte der König.

»Von dir spreche ich nicht,« erwiderte der Oberpriester, »denn du hast das Höchste erreicht, was ein König erreichen kann – du fühlst dich eins mit deinem Gott. Verlange nicht mehr und wandle auf Erden – so wie es dir dein Gott Marduk in deinem Innern gebietet. Dann bist du der Retter für Assyrien – wie Marduk es am Himmel war, im Kampfe mit Tiamat, dem Ungeheuer, und im Kampfe mit den sieben furchtbaren Göttern der Unterwelt.«

»Ich weiß es«, sagte der König, »und ich werd’s behalten. Ich – bin – Marduk.«

Der König erhob sich und blickte mit zurückgeworfenem Kopf zum Himmel empor und den Stern Marduk an.

Samasdan sah den Kopf des Königs.