Marduk

Der Thronfolger und die Skulptur

ps_268 Als König Sargon wieder mal auf der Jagd war – im Gebirge Musri, da brachte der Thronfolger eines Morgens die ganze Sargonsburg in Bewegung.

Zu des Königs Vezier Beletir rief er in sehr befehlshaberischem Tone:

»Ich weiß sehr wohl, daß es in der Nähe von Ninive noch mehr Skulpturen gibt als auf der Sargonsburg. Der Vater ist im Gebirge und kommt erst nach einigen Tagen wieder. Ich bin ja erst zwölf Jahre alt, aber ich weiß auch, daß ich Sinacherib, der Thronfolger, bin. Beletir, widersprich mir nicht! Laß zwanzig Streitwagen rüsten. Von der Palastwache sollen mich hundert Mann zu Pferde begleiten. Bring mir den Bildhauer Samasdan. Ich will mit dir, Beletir, in einer Stunde abreisen – über Ninive zum Südwestpalast, wo die alten Könige Assyriens thronten. Dort – die Skulpturen! Samasdan herbringen!«

Beletir murmelte zwischen den Zähnen:

»Diese Kinderwarterei! Ich habe die Verantwortung und darf mich nicht widersetzen. Passiert was, verlier‘ ich den Kopf.«

Aber es geschah alles – wie Sinacherib wünschte.

Nach einer Stunde rasten die Streitwagen nach Ninive – durch die Stadt durch und dann nach Südwest – in den alten halbverfallenen Palast – Samasdan immer neben Sinacherib; der Bildhauer erzählte von Ägypten und erklärte die alten assyrischen Skulpturen, die eigentlich nur von Jagd und Krieg erzählten.

Der Vezier Beletir war immer hinter dem Thronfolger und hütete ihn wie seinen Augapfel. Sinacherib sprach:

»Diese Löwenjagden in den Stein gemeißelt – erinnern mich an unsern großen Isdubar in der Sargonsburg. Aber – hier ist alles viel lebendiger und anschaulicher. Wir müssen öfters hierher, Samasdan! Du erklärst gut. Immer – wenn der Vater auf der Jagd ist – dann hierher! Hier ist es kühl.«

Und der Thronfolger streichelte Samasdans rechten Arm.