Marduk

Der König in der Sänfte

ps_269 Bald danach stand in der Sargonsburg, als die Sonne grade unterging mit roten Wolken, der Bildhauer Samasdan neben dem Oberpriester Balatu. Sie standen auf einer Terrasse hinter einem Lorbeergebüsch.

Samasdan, auch ein Priester des Marduktempels, war drei Jahre in Ägypten gewesen und soeben zurückgekehrt. Er sagte leise:

»Die großen Pyramiden haben fünf Spitzen und fünf Flächen, da wir fünf Planeten am Himmel sehen. Die geflügelte Sonne ist Symbol des Gottes Horus, bei uns Symbol Assurs. Der herrschende Priester und König im Ägypterlande sitzt und klemmt die Knie aneinander – er will den Geist der Massen beherrschen.«

»Der König kommt!« sagte leise Balatu.

Und beide blickten hinunter auf den großen Platz vor dem Königspalaste, der mit rot-, blau- und grünglasierten Ziegeln belegt war – wie mit einem Teppich. Und von zwanzig Sklaven wurde der König in einer Sänfte vorübergetragen.

Aber König Sargon der Zweite stand in der Sänfte.

Ausschreitend stand der König da.

»Ah«, sagte der Bildhauer Samasdan, »das ist nicht Ägypten. Aber wie der König steht! Das ist auch beherrschend – die Masse beherrschend durch den niedertretenden Schritt. Das ist assyrische Majestät.«

»Er fühlt«, sagte Balatu, »den Gott Marduk in sich mächtig. Diese Majestät kommt von dem großen Gott Marduk – wird in Sargon immer lebendiger werden.«

Der König stand auf einer Holzplatte, die dicht über dem Boden gehalten wurde. Die Tragstangen befanden sich höher, hielten das Mittelgestell rechtwinklig.

Die Sklaven standen plötzlich still.

Die Sonne ging unter.

Der König stieg rasch von der Holzplatte auf den glasierten Ziegelboden und ging, weit ausschreitend, durch die Eingangspforte seines Palastes.