Marduk

Geflügelte Sonnen

ps_270 Zirukin hatte seinem König Sargon dem Zweiten schon zweimal das Leben in der Schlacht gerettet. Und er war seinem Könige treu ergeben und unterhielt nur mit seinem Oheim den geheimnisvollen Briefwechsel, um zu wissen, was die Feinde taten und welcher Art die Gefahren sein könnten, die seinen König bedrohten.

Nabuseto in Babylon wußte, daß sein Neffe in der Sargonsburg auch nicht so eifrig bemüht war, die Wahrheit zu reden. Das tat an den Höfen und in den Tempeln keiner. Und doch erfuhr man auch durch Lügenberichte, wenn man sie korrigieren konnte, immerhin etwas.

Und so nahm Nabuseto doch an, daß Nadinaplu sehr wohl eine größere Masse Goldes erbeutet haben konnte; schon dreißig Zentner erschienen dem Oberpriester ungeheuerlich viel. Nach Ägypten war natürlich niemals Gold gesandt. Aber der Oberpriester leitete jetzt die Politik, und er bediente sich dabei vieler Spione. Einige von diesen sollten in der Umgegend von Babylon nachforschen nach neuen Fundstätten. Überall, wo gegraben wurde, sollten sie dabei sein.

Zur Sargonsburg sandte der Oberpriester abermals eine Karawane, unter denen zwei Leute zu Zirukin gehen mußten mit neuen Tontafeln.

Nabuseto war neugierig.

Zirukin aber war schlauer als sein Oheim; er sagte ruhig zu den Spionen:

»Seht ihr dort am Assurtempel auf den blau glasierten Ziegeln geflügelte Sonnen? Zählt sie! Es sind siebenmal sieben Sonnen. Und alle sind jetzt neu vergoldet. Das erzählt meinem Oheim.«

Als das der Oheim in Babylon hörte, glaubte er fest daran, daß Nadinaplu mindestens hundert Zentner in einer geheimen Fundstätte erbeutet habe.