Marduk

Geheimnisvoller Briefwechsel

ps_271 Kaufleute kamen aus Babylon zur Sargonsburg und brachten Wein in Schläuchen und Lapislazuli in ledernen Beuteln. Einer von diesen Kaufleuten sprach lange mit Zirukin, dem Haarkräusler des Königs.

Und während die beiden sprachen, drückte der Kaufmann dem Zirukin ein Stück Ton in die Hand, das geformt war wie ein Stück Seife. Auf diesem Ton stand in Keilschrift:

»König Mardukbaliddin sprach zu seinem Schatzmeister: Nimm alles Gold, das du in meinen Palästen findest, und bring’s nach Theben im Ägypterlande. Dort wird man dir das Gold für mich verwahren. Der König von Ägypten ist mein Freund. In Babylon ist kein Gold mehr. Sargon, der König, der mich fortwährend bedrängt, möge mit Ägypten Krieg führen, wenn er immer noch nach dem babylonischen Golde lüstern ist.«

Kein Siegel war unter diesem Schreiben. Zirukin las es in seiner Felsgrotte vor seinem großen Dachgarten. Er wußte: das Schreiben kam von seinem Onkel – dem Oberpriester Nabuseto. Der Eunuch nahm sofort ein Stück feuchten Ton und ritzte darauf in Keilschrift folgende Sätze:

»Dreihundert Zentner Gold hat Nadinaplu erbeutet. Der Schatzmeister des Königs Mardukbaliddin ist also mit seinem Golde nicht bis Theben durchgedrungen. In der Sargonsburg werden alle Tempel vergoldet.«

Dieses Schreiben ließ der Eunuch rasch brennen und gab’s dem Kaufmann schweigend mit einem Goldstück für Nabuseto, seinen Oheim – den Oberpriester des Marduktempels zu Babylon.

Nabuseto schüttelte, als er das las, den Kopf und sagte zum König:

»Dreihundert Zentner Gold soll Nadinaplu in den Dörfern vor Babylon erbeutet haben. Nicht dreißig Zentner sind da zu finden. Sollte der Assyrer geheime Fundstätten entdeckt haben?«