Marduk

Balatus Sternenweisheit

ps_144 Nun aber hatte plötzlich den Thronfolger Sinacherib ein sehr starkes Fieber ergriffen, schon gab man den jetzt sehr stark gewordenen Jüngling auf. Da gelang es aber doch der Kunst Balatus, den Kranken wieder auf die Beine zu bringen.

Da konnte sich der König Sargon nicht mehr halten; er ging zum Balatu und umarmte ihn stürmisch und erzählte ihm alles von den beiden Holzköpfen des Zirukin.

Balatu sagte, als der Marduk wieder hoch oben am Himmel glänzte, auf seiner Sternwarte zum König:

»Alles, was hier auf Erden geschieht, ist dort oben eingezeichnet am Himmel. Wozu also Furcht haben? Glaubst du nicht mehr, daß du Marduk bist?«

»Ich glaube«, versetzte der König, »daß der Gott in mir lebendig ist.«

»Dann«, fuhr der Oberpriester fort, »ist doch alles gut, wenn du dich mit deinem Gott eins weißt. Wer da weiß, daß ein Größerer in ihm mächtig ist, der kann doch nicht glauben, daß dieser Größere – dieser gewaltige Gott – mit ihm zu Grunde geht. Wozu also Furcht haben? Die Priester kennen keine Furcht; sie wissen, daß alles so kommen muß, wie es in den Sternen geschrieben steht. Die Götter der Oberwelt werden siegreich sein. Du bist Marduk, der die sieben Götter der Unterwelt, die sich in unsern sieben Wintermonaten verkörpern, überwunden hat – die Welt errettete und ein neues Zeitalter herbeiführte.«

Lange saßen beide ganz stumm nebeneinander.

Gegen Morgengrauen ging der König fort.