Marduk

Die unheimliche Nacht

ps_152 Erst kurz nach Sonnenuntergang brach das Unwetter los. Die Blitze zuckten unheimlich durch die Finsternis.

Da sagte Zirukin plötzlich zu Sargon – auf die beiden Fenster weisend:

»Ha! Da! Das sind Doppelgänger. Sie beobachten uns. Sind’s Menschen oder – sind’s Dämonen des Meeres?«

Des Königs Augen wurden ganz groß, er sah die beiden Köpfe und drückte den Arm des Eunuchen so stark, daß der leise schrie.

»Jetzt«, sagte der König, »glaube ich, daß man mir nach dem Leben trachtet.«

»Warte«, sagte Zirukin, »ich gehe und sehe, was das ist. Laß mich allein gehen. Die Schloßwache darf nichts davon erfahren.«

Zirukin ging mit leichten Schritten über den nassen Fliesenboden und schnurstracks in das alte Haus – wurde aber sofort von einem starken Arm zurückgeworfen und fiel rücklings auf den nassen Fliesenboden. Der Mann – ein Maskierter – lief rasch davon und verschwand in der Finsternis.

Der König sah einen Dolch in der Hand des Fliehenden und wollte Zirukin zu Hilfe kommen. Der aber hatte einen Schuppenpanzer unterm Rock, sprang rasch auf und winkte dem König zu. Der rief die Schloßwache. Zirukin ging ins Haus und kam mit den beiden Köpfen in den Armen zurück.

Die Schloßwache wunderte sich über die beiden Köpfe noch mehr als der König.

Während es immerzu blitzte und donnerte, ging Zirukin mit dem Könige ins Schloß zurück.

Der König sah lange die beiden Holzköpfe an, wurde ganz fahl und sagte leise:

»Jetzt ist mein Leben in Gefahr. Ich weiß es.«