Marduk

Zwei Köpfe

ps_153 Die Stele mit dem lebensgroßen Relief König Sargons des Zweiten wurde nun auf der Insel Cypern aufgestellt und verbreitete Schrecken und Furcht unter der Bevölkerung. Sinacherib weihte den Stein ein, salbte ihn und flehte im Stillen den Schutz Marduks an. Der Bildhauer Samasdan erhielt ein reiches Geschenk und war bei der Aufstellung auch zugegen.

Gleichzeitig hatte Zirukin schlaflose Nächte, denn er zermarterte sich den Kopf, von welcher Seite dem König Sargon Gefahr drohe; er hatte schließlich alle im Verdacht – sogar den Oberpriester Balatu.

Da fand der überall herumspürende Eunuch eines Tages in einer alten Rumpelkammer zwei Holzköpfe mit Glasaugen, vollem Haarwuchs und großem gekräuselten Bart. Sie mußten mal zu Übungszwecken für andre Haarkräusler gedient haben. Zirukin nahm sie in seine Wohnung, frisierte sie und stellte sie in einem alten Hause, das nicht mehr bewohnt wurde, hinter zwei Fenstern auf, so daß man glauben konnte, da säßen zwei Doppelgänger hinter den Fenstern.

Es war sehr schwüles Wetter. Und man erwartete gegen Abend ein schweres Gewitter.

Eine Terrasse des königlichen Palastes lag so, daß man die beiden Fenster von der Terrasse sehr gut sehen konnte.

Der Eunuch ging zum Könige und sprach zu ihm von dieser Terrasse und behauptete, daß man von dort aus des Abends einen großen Blick über ganz Assyrien haben würde, wenn das Gewitter im Anzuge sei.

Der König willigte ein, hinzugehen – mit Zirukin allein. Nur zehn Mann von der Schloßwache sollten in respektvoller Entfernung folgen.