Marduk

Die Inschrift und die Unsichtbaren

ps_154 Die Stele Samasdans war dann bald fertig.

»Ein majestätisches Denkmal!« sagte Balatu, der Oberpriester des Marduktempels auf der Sargonsburg.

Der König Sargon wollte nun in der Inschrift als Marduk bezeichnet werden.

Da widersprach aber Balatu.

»Habe ich«, rief da der König, »unsichtbare Feinde?«

»Du weißt«, versetzte Balatu, »daß die Dämonen des Meeres dir auch als Unsichtbare gefährlich wurden. Wir sind immer von unsichtbaren Feinden umgeben.«

»Kannst du sie«, frage der König, »nicht sichtbar machen? Ich möchte sie kennen lernen. Sie sind hier in der Burg. Gib mir einen Fingerzeig.«

»Wenn ich«, versetzte Balatu, »den geringsten Verdacht hätte, ich würde ihn dir sofort mitteilen.«

Da wurde denn in der Inschrift von Assur, Nebo und Marduk gesprochen.

Und der König ballte die Faust.

»Ich bin Marduk!« schrie er wild, »Marduk sollte zuerst genannt werden.«

Aber Balatu sagte, daß die Inschrift von den sieben Königen berichten würde, die dem König Sargon die Füße geküßt hatten.

Und es ward zum Schlusse noch derjenige, der die Stele vernichten oder verschleppen sollte, der Wut der erwähnten Götter und der Dämonen des Meeres preisgegeben – »vor seinen Feinden soll er gefesselt sitzen, vor seinen Augen soll sein Land zerbrochen werden.« Also schloß der Text.

Der König aber war mürrisch, daß Marduk nicht an erster Stelle genannt wurde. Balatu deutete nochmals auf die unsichtbaren Feinde hin, und der König fühlte es plötzlich kalt über seinen Rücken rieseln; er sprach nachher über alles unter vier Augen mit seinem Haarkräusler Zirukin.