Marduk

Der Feldzug gegen Cypern

ps_160 Ein paar Wochen später hatte König Sargon der Zweite ein großes Heer gerüstet. Der König übernahm selbst den Oberbefehl und führte seine Krieger nach Westen zum Westmeere. Wie eine Meereswoge wälzte sich die Masse über das Land und verbreitete Schrecken in allen Städten und Dörfern. Zuerst kam die leichte Reiterei – die Bogenschützen zu Pferde – und die schwere danach – die Lanzenreiter. Dann kamen die Streitwagen – über fünfhundert. Ihnen folgten die Lastwagen und die großen Wagen mit den Festungsmaschinen. Den Schluß bildeten die Fußtruppen, die in starken Tagesmärschen langsam folgten.

Am Meeresstrande bestieg man die großen Dreiruderer.

Und nach siebentägiger Meeresfahrt landete König Sargon mit seinen Truppen auf der Insel Cypern.

Die Ägypter und Phönizier flohen in die Wälder. Aber die Fliehenden wurden verfolgt, geknebelt herbeigeschleppt. Und am Strande schnitten die Assyrer den Geknebelten allesamt die Köpfe ab und schmissen die Köpfe, die mit Blei und Kupfer beschwert wurden, ins Meer.

Nach diesen siegreichen Taten setzte der König sieben Statthalter an verschiedenen Punkten der Insel ein und betrachtete das ganze Land als sein Eigentum.

Er feierte große Siegesfeste und ließ sich Tribut zahlen und nahm den Leuten die Schätze des Landes – hauptsächlich Gold, Silber, Kupfer und kostbare Hölzer.

Und dann dachte der König wieder an die Rückkehr. Er dachte an Marduk und ließ den dritten Teil des Heeres auf Cypern als Besatzung und fuhr mit den übrigen auf den großen Schiffen nach Syrien zurück.

Zirukin war neben dem König.

Von Nadinaplu aus Babylon lagen neue Siegesberichte vor.

Das Meer sah grau aus. Große Wolken ballten sich am Himmel zusammen. Die Schiffer wollten nicht abfahren, doch der König sagte:

»Marduk ist bei mir.«

Und die Schiffer gehorchten und stachen in See.