Marduk

Die große Arbeit

ps_262 Da ward es plötzlich in der ganzen Burg des Königs Sargon lebendig. Die Sklaven liefen treppauf und treppab. Die Eunuchen schrien. Und in den Harems ertönte ein wildes Gekreische.

»Der König empfängt in der Nacht sieben Könige!«

So ging es von Mund zu Mund.

Auf dem riesig großen Platze vor dem Hauptpalast in der Mitte der Burg wollte der König Sargon die Herren aus Cypern empfangen.

Hundert Sklaven begossen den großen, ganz mit buntglasierten Ziegeln bedeckten Platz – mit frischem Wasser; auf den Knien lagen die Sklaven und scheuerten die Ziegel mit dicken Tüchern.

Alle Waffen wurden von den Kriegern aus den Waffenkammern herausgeschleppt. Und in der Sonne wurden die Helme, Schilde und Lanzen geputzt. Und die Krieger rüsteten sich, als wäre der Feind im Anzuge.

Die Macht der Assyrer sollte offenbar werden.

Alles arbeitete den ganzen Tag hindurch.

Selbst in den Harems wurde gearbeitet – an allen Kleidern der Haremsdamen, denn diese sollten als Zuschauerinnen hoch oben rechts und links auf der Terrasse sitzen.

Alle Eunuchen waren in Bewegung.

Zirukin brachte die Befehle des Königs.

Farbige Mastbäume wurden rechts und links an den Seiten in den Ziegelboden gerammt. Auf den Mastbäumen wurden große breite, vergoldete Schalen befestigt. Die Sklaven kletterten mit Pechtöpfen an den Mastbäumen empor.

Und in den Gärten wurden unzählige Blumen gepflückt und in die Harems gebracht.

Auf allen Dachterrassen der Tempel und Paläste brachte man Schalen für Pech und Räucherwerk an.

Zwanzig große breite Treppen führten zu dem großen Platze, auf dem König Sargon empfangen wollte – unter freiem Himmel im Angesicht der ewigen Sterne.

Trat der König aus seinem Palaste heraus, so trat er in eine Fackelallee – rechts und links, neben und hinter den Mastbäumen die Krieger – die Priester – die Eunuchen und die Sklaven – alle in reichsten Gewändern. Und gradaus am Ende der Allee der Blick in das assyrische Land, das ein Abbild des Himmels ist – links der Zab – und rechts der Tigris.

Und oben die große Himmelsdecke.

Die Sklaven schwitzten.

Und den Kriegern ward es auch warm in ihren mächtig funkelnden Rüstungen.

Und dann kam der Abend.

Und die Sonne ging unter.

Und die Sterne schienen wieder – Marduk unter ihnen am hellsten.

Die Arbeit hörte auf.