Marduk

Beletir und Gimillin

ps_263 Als die Sonne schon ziemlich hoch stand, erwachte der Vezier Beletir und ließ sich gleich in sein Ankleidezimmer tragen. Dort war der Fußboden aus Alabaster, auf dem frische, dunkelrote Rosen lagen. An den Wänden hingen Teppiche. Eine feinmaschige Kupferdrahtwand im Fenster ließ keine Insekten durch. Das Fenster war sehr breit, und man sah von dort in einen großen, kühlen Hof, in dem Sklaven mit Wasserkrügen vorübergingen. Die Gemächer, in denen die Waffen der Palastgarde aufbewahrt wurden, lagen gegenüber dem Ankleidezimmer des Veziers. Der Hof war mit bunten Fliesen ausgelegt.

Der Eunuch Gimillin, der Haarkräusler des Veziers, sagte feierlich, auf einem Knie liegend, seinen Morgengruß. Zehn Sklavinnen, die dem Eunuchen bei seiner Arbeit halfen, sagten auch kniend ihren Morgengruß.

Der Vezier trug einen langen, hellblauen Rock und ließ sich gleich die Haare kräuseln. Dabei saß er auf einem schwarzen Ebenholzsessel.

»Was gibt’s Neues in Babylon?« frage Beletir.

Gimillin erwiderte langsam:

»Alles beim Alten. Babylon schläft. Und Nabuseto, der Oberpriester des Marduktempels, regiert; er ist vortrefflich über alles, was hier passiert, unterrichtet.«

»Was passiert denn hier?« fragte Beletir wiederum.

»Sieben Könige aus Cypern«, sagte Gimillin, »sind angekommen, und sie wollen vom Könige empfangen werden. Sie waren bei Balatu. Du schliefst noch, Herr! Und ich darf dich doch nicht wecken.«

Beletir sah grimmig den Eunuchen an. Dieser sank auf beide Knie und berührte mit der Stirn den Alabasterboden. Der Vezier zauste sich den schwarzen Bart und sagte:

»Da bin ich ja zu spät erwacht. Jetzt muß ich zu den Königen gehen. Wär‘ ich früher erwacht, hätten sie zu mir kommen müssen.«