Der neue Abgrund

Der Strich durch die Rechnung

ps_053 Der Stern Klips sah so aus wie ein rundes Brot, Und nun wollten die Langbeinigen in der oberen Mitte des Sterns einen großartigen Palast bauen. Sie begannen damit, riesig lange Pfähle in der Mitte einzurammen. Aber die Arbeit gelang ihnen nur zu gut, denn die Pfähle gingen ganz leicht in den Boden hinein und gingen immer tiefer und – fanden unten keinen Halt. Alle Versuche, die Pfähle gegen das Tiefersinken zu schützen, mißglückten – der ganze Boden gab nach, und die Langbeinigen mußten sich auf den Rand des Sterns zurückziehen. Den Baumeistern wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht; sie mußten es aufgeben, in der Mitte ihres Sterns einen Palast zu bauen. In der Mitte entstand ein großes weites Loch – ein neuer Abgrund. Und dieser Abgrund wurde täglich tiefer, und auf der anderen Seite des Sterns entstand ein hoher Berg. Und der Berg wurde immer höher, während der Abgrund immer tiefer wurde. Da nun die Langbeinigen alle auf dem Rande des Sterns leben mußten, veränderten sich plötzlich alle ihre Lebensgewohnheiten. Auf den Berg, der sich auf der unteren Seite gebildet hatte, konnten sie nicht hinaufklettern, denn der Berg wurde täglich heißer. Da sah dann bald der Stern wie ein spitzer Hut aus, Und die Langbeinigen wandelten an ihrem neuen Abgrund auf und ab und blickten hinunter. Und sie konnten auch nicht in den Abgrund hinein, da er auch sehr heiß wurde. Mit den sechs langen Beinen, die jeder Bewohner des Sterns besaß, konnte man bald auf dem Rande nicht mehr viel herumgehen, da der Rand immer schmaler wurde. Das Schlimmste aber war, daß viele Wohnungen auf beiden Seiten des Sterns durch die Berg- und Abgrundbildung vernichtet wur- den. Man wußte gar nicht, wo man bleiben sollte. Alle siedelten sich dicht nebeneinander auf dem Rande an, Und da bauten nun die Langbeinigen ganz hohe Häuser mit hundert Stockwerken. Und dann sahen die Klipsianer aus ihren Fenstern raus in den neuen Abgrund hinein. Und sie wußten nicht, was das werden sollte. Da gab es eines Tages einen furchtbaren Knall ganz unten im Abgrund. Und der Abgrund riß in der Tiefe auseinander, so daß unten ein großes Loch entstand, durch das man andere Sterne des Him- mels sehen konnte. Keiner konnte sich die Ursache dieser ganzen Sternverwandlung er klären. Aber alle Sechsbeinigen wohnten jetzt eng nebeneinander und lernten sich gegenseitig kennen – früher hatte jeder den andern so viel wie möglich gemieden.

„Ah!“ sagte nun Herr Töpfer, „der Stern hat sich also nur ver wandelt, um die langbeinigen Herren näher aneinander zu bringen.“ „Ja“, sagte Frau Malwine, „das scheint wohl die Ursache der Verwandlung zu sein. Wenn bei uns auf der Erdrinde was verwandelt wird, so hat das wohl auch immer seinen guten Grund. Wir verstehen nur nicht jedes Mal, so schnell dahinterzukommen.“ Die Eisblumen an den Spiegelscheiben waren währenddem abgetaut, und die beiden blickten hinaus in die prächtige Gebirgslandschaft hinein. Als ihnen aber die Augen schmerzten von dem vielen Schnee, fragte die Frau Pate, ob sie noch ein Kapitel aus ihrem Klips-Roman vorlesen dfiürfte. Und der Herr Töpfer war einverstanden. Da las denn Frau Malwine noch das Folgende: