Elogifana

ps_055 Ich nahm die Flasche, dankte meiner Freundin, indem ich ihr schweigend die Hand küßte, setzte meinen auf den Fußboden gefallenen Kalabreser wieder auf den Kopf, nahm meinen Stock und zog los… ging über die Berge dahin —  zurück in die Welt.

Auf die Flasche war ein kleiner Zettel geklebt, auf dem stand deutlich:

„Wenn Du den letzten Tropfen aus dieser Flasche getrunken hast —  dann wirst Du sterben.“

Dieser Zettel berührte mich sehr peinlich.

Aber wer da glaubt, daß ich des Zettels wegen nicht aus der Flasche getrunken hätte, der irrt sich gewaltig.

Ich trinke jeden Tag drei Mal —  jedes Mal einen Tropfen.

Und drei Mal drei Stunden kann ich daher täglich lachen —  lachen, daß die Wände dröhnen.

Schon ist die halbe Flasche ausgetrunken.

Wunderbares gelbes Öl!

Du erlösender Trank!

Ich lache —  ich lache jetzt über meine vielen Empfindungen.

Jetzt macht mir das grasgrüne Löschpapier wieder Spaß.

Ich kann gar nicht genug empfinden.

Mein gelber Trank lacht auch —  er lacht mich an —  und wie!

Prost!

Elogifana, ich lach’ über Dich, über die Welt und über Alles, was nicht in der Welt ist.

Ich lache! Ich lache!

Die Flasche ist bald leer.

Doch ich lach’ trotzdem —  denn den letzten Tropfen laß ich drin!

Ich bin also unsterblich!

Elogifana, wie geht’s Dir denn?

Weißt Du, was ich mache?

Ich lache!

Hörst Du mich lachen?

Elogifana, hörst Du mich lachen?

ps_161    Sei sanft und höhnisch! (Gedicht)

 

 

 


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Paul Scheerbart  https://scheerbart.de ein fognin Projekt

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