Menschenliebe

ps_216 Ich mochte wohl mit diesen ausgesuchten drei Geschichten ausgeschlagene drei Stunden so ruhig dagesessen haben – da kam endlich der General Abdmalik in das Bibliothekzimmer. Kaum aber hatte er einen Luftsprung mit Saltomortals wie Lapapi gemacht – so lachte er furchtbar – und rannte davon. Ich saß abermals drei ausgeschlagene Stunden mit meinen drei Manuskripten da und wartete – es ließ sich aber kein Nilpferdchen sehen. Da ging ich denn in ein Nebenzimmer – und da saßen denn die Herren – lange Pfeife rauchend – in bequemen Ledersesseln und lasen in großen Folianten. Mein Erscheinen blieb anfänglich ganz unbeachtet. Ich hustete jedoch und reichte mit einigen Worten der Entschuldigung meine drei Manuskripte dem König Thutmosis, der mir zunächst saß. Dieser König sah bloß in die Manuskripte hinein – dann sprang er wütend auf, schmiß seinen Folianten auf den Fußboden und schimpfte sogleich wie ein Rohrspatz. Glaubst Du denn, wir wären toll geworden, daß wir ewig und immer alle Tage und alle Nächte bloß Deine trübsinnigen Geschichten lesen möchten? Wir haben was Besseres zu tun. Mit solchem Zeug komm uns nicht wieder.« Und dann warf er auch meine Manuskripte auf die Erde, daß sie wie Blätter im Winde überall herumflogen. Mit Mühe sammelte ich sie und steckte sie ein und wollte mich entfernen. Da stieß mir aber der Inspektor mit seinem rechten Vorderfuß in den Bauch und sagte: »Gib drei lustige Geschichten für die drei traurigen!« Ich wollte erst nicht, aber ich ließ mich doch überreden und gab, was man verlangte, bemerkte aber gleich sehr ernst: »Lustigere Geschichten habe ich augenblicklich nicht bei mir. Ich bitte, nicht wieder zornig zu werden, wenn sie einem der Herren doch noch zu trübsinnig erscheinen sollten. Ich kann nicht lustiger sein – als ich bin!« Nun – die Herren lasen dann ganz ruhig, was ich ihnen gegeben hatte. 

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Paul Scheerbart  https://scheerbart.de ein fognin Projekt

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