Die unverständliche Sonne

Die unverständliche Sonne

Eine Seehundsgeschichte

aus:  das Lachen ist verboten
aus: Meine Tinte ist meine Tinte! 

ps_031

Sieben dicke Seehunde schwammen mit ein paar großen Eisbergen aus Grönland hinunter gen Süden, um Lachse zu fressen.

Die Seehunde fanden auch recht viele schöne Lachse, fraßen die gleich mit einem Haps bis auf den Kopf auf, schmissen die Lachsköpfe immer in die See zurück und wurden täglich dicker, so daß die Hunde Gelegenheit fanden, über dies und das nachzudenken.

Der dickste Seehund konstatierte eines Tages, daß die Sonne recht warm zu werden begänne und legte sich auf eine Eisscholle; die andern Seehunde legten sich auch auf die Eisscholle, denn sie waren allesamt recht faul geworden.

Und da die Sonne wärmer und wärmer ward, stürzten die Eisberge um; die Sonne „haßte“ das hochaufgetürmte Eis —  trotzdem es schöner aussah als die Berge von Stein.

Der Seehund aber, der der dickste war, wunderte sich drob und fragte die andren Hunde:

„Sagt, Geliebte, wozu gibt sich bloß die dumme Sonne die überflüssige Mühe und zerstört fortwährend die großen hohen Eisberge? Es entstehen doch trotzdem immer neue im Norden.“

Die sieben Seehunde lagen mit den dicken Bäuchen auf der kalten Eisscholle und dachten sehr angestrengt nach.

Aber die Seehunde konnten die Geschichte sämtIich nicht begreifen —  so sehr sie sich auch bemühten, weiter über die Sonne nachzudenken.

Wenn die Sonne Lachse gefressen hätte —  das hätten die Seehunde verstanden.

Aber Eisberge umstürzen?

Wozu das?

Wer wurde denn dadurch dicker?

Ja —  ja —  was unverständlich ist —  bleibt unverständlich.

ps_152   Luftquallen

ps_161    Donnerkarl der Schreckliche (Helden-Gedicht)


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Paul Scheerbart  https://scheerbart.de ein fognin Projekt

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