Rübezahl

ps_226

Sechster Auftritt

Von Schmalz. Paschke. Rübezahl – dieser nicht sichtbar oben.
VON SCHMALZ von rechts unten mit Paschke zusammen möglichst leise sprechend. Ich bitte Sie, wir sollten Hand in Hand gehen, das Schicksal hat uns zusammengeführt – und darum –
Handgeschüttel
PASCHKE Gewiss – deswegen hat uns auch der Herr Rüffel gebeten, hier mit einander zu plaudern.
VON SCHMALZ

Vielleicht werden wir belauscht.

PASCHKE laut Daran denkt hier kein Mensch!

Sieht ihn schmunzelnd an – sie setzen sich links und rechts auf die Bänke, sodass sie neben dem Eingange sitzen, der zur Holztüre führt.

VON SCHMALZ

Der gewöhnliche Menschenfeind ist gewöhnlich ein dummer Kerl, der von Andern mit Leichtigkeit ausgequetscht werden kann.

PASCHKE

Solch ein dummer Kerl befindet sich aber in diesem Palaste nicht – wir müssen daher unsern ganzen Witz aufbieten, dem Herrn dieser Herrlichkeit zu Diensten zu sein.

VON SCHMALZ

Glauben Sie, dass er ein Räuberhauptmann ist?

 

PASCHKE Ich glaube nur, dass er ein reicher, mächtiger Mann ist.
VON SCHMALZ

Ich auch.

PASCHKE Hm! Also: Sie sind meiner Meinung?
Von Schmalz nickt. Hm! Ich bin eigentlich auch ein grosser Menschenfeind – wie – dieser – Rübezahl.
VON SCHMALZ

Ich auch!

PASCHKE

Hm! Sie, Herr von Schmalz, hassen aber blos das dumme Volk – und das ist unserm Rübezahl noch nicht genug.

VON SCHMALZ Richtig! Daher machten unsre Vorschläge nicht den genügenden Eindruck.
PASCHKE

Wir waren nicht kühn genug.

VON SCHMALZ

Wir wollens nachholen.

PASCHKE

Die Sache ist einfach; wir haben uns blos die Arbeit zu teilen. Geteilte Freude ist doppelte Freude; wir werden den doppelten Lohn erhalten.

VON SCHMALZ

Der Herr Rübezahl ist kein Knauser.

PASCHKE Nein! Das merkt man an der märchenhaften Einrichtung – dieses unterirdschen Schlosses.
VON SCHMALZ Sagen Sie schnell und kurz, wie Sie sich die Sache zurechtgelegt haben.
PASCHKE

Sie müssen den Wohlhabenden Furcht einjagen – Furcht vor dem Neuen. Und mit dieser Furcht müssen Sie lauter freche Tyrannen machen. Dann werden durch die Tyrannei die Minderbegüterten aufgestachelt und wütend werden. Und so werden alle Menschen in Jahr und Tag zu Menschenfeinden werden und sich gegenseitig fuchswild kurz und klein schlagen.

VON SCHMALZ

Leuchtet ein! Brillanter Vorschlag! So wird plötzlich Allen geholfen! Es lebe der Menschenfeind! Dem Herrn von Rübezahl wird es kolossalen Spass machen, wenn er bemerkt, wie er grade durch uns die beste Propaganda für seinen Stand als Menschenfeind machen kann.

PASCHKE

Wir haben nur öfters scharf zu betonen, dass wir alle Menschen gerade durch einen »blinden« Menschenhass ganz dumm und beschränkt machen können, sodass sie vor »blinder« Wut nicht mehr die Katze von der Maus unterscheiden können – und so leicht zu regieren sind – wie das liebe Vieh.

Betty erscheint rechts auf der unteren Galerie und lauscht.
VON SCHMALZ Früher spekulierte man mit der Dummheit – jetzt spekuliert man mit dem Hass.
Rübezahls Kopf ist einen Augenblick oben links sichtbar
PASCHKE

Aber merken sie sich das, Herr von Schmalz: Hass und Dummheit wachsen nicht »immer« auf demselben Ast – es gibt Ausnahmen!

VON SCHMALZ

Ja: drei Ausnahmen gibt es! Der Herr von Rübezahl – Sie, Herr von Paschke – und meine Wenigkeit – diese drei sind auszunehmen.

%d Bloggern gefällt das: