Rübezahl

ps_228
Vierter Auftritt

Rübezahl. Rüffel.

RÜFFEL unten von links rasch vorkommend. Sei gegrüsst! Warum bleibst Du denn oben? Warum kommst Du nicht runter?
RÜBEZAHL Es hat seine Ursache.
RÜFFEL Ja – Du willst damit andeuten, dass Du immer oben bleiben möchtest. Und damit willst Du Deine Menschenliebe oder Deinen Menschenhass als etwas Höheres – was oben bleibt – hinstellen. Ist es nicht so?
RÜBEZAHL

Ich bin in so schlechter Laune, dass ich garkeine Lust habe, meinen Witz spazieren zu führen.

RÜFFEL

Das tut mir recht leid, denn ich hätte Dir gerne Manches gezeigt. Ich arbeite jetzt nur an neuen Organen. Auf der Erdoberfläche entstehen doch auch so viele neue Organe – und das regt so an – zudem: da ich meine neuen Lebewesen mit lauter seltsamen Gliedmassen ausstatte, – so müssen an diesen seltsamen Gliedmassen auch seltsame Organe zu finden sein.

Er kramt in seinen Papieren und Landkarten.

RÜBEZAHL Ja lieber Rüffel, mich interessieren aber augenblicklich blos die Menschen.
RÜFFEL auffahrend und in die Mitte gehend – mit dem Rücken zum Publikum

Das ist ja gerade das, was ich an Dir schrecklich finde. Du gibst zu, dass die Menschen sehr unbedeutend sind, und trotzdem interessierst Du Dich für sie.

RÜBEZAHL Jawohl – aber in besondrer Art.
RÜFFEL Ach was! Im Grunde genommen möchtest Du sie blos bekehren. Wie ein Apostel der kosmischen Fernsicht kommst Du mir vor. Dein Apostelspielen scheint mir aber etwas oberflächlich zu machen – denn Du kommst nicht zu mir runter.
RÜBEZAHL

Ich habe doch Ursache, hier oben zu bleiben.

RÜFFEL Selbst leben ist wichtiger als leben lehren.
Er setzt sich links auf die Bank.

Es wäre doch besser, wenn Du mehr danach strebtest, Deine Ideen plastisch auszuarbeiten – als agitatorisch zu verbreiten. Sonst könntest Du schliesslich dahinterkommen, dass Deine ganze agitatorische Potentatentätigkeit blos eine Propaganda für ein Schattenreich darstellt, was mir schon der zwei Dimensionen wegen nicht behagt – ich bin doch Bildhauer.

RÜBEZAHL

Lieber Rüffel, ich möchte blos unsre drei Menschen beobachten – belauschen. Und ich bitte Dich daher, sie dort unten, wo Du sitzest, zusammenzubringen. Schick sie mir her und lass sie da unten warten. Ich möchte die Menschen mal da unten so ungestört neben einander sehen. Ueber Deine Worte will ich nachdenken.

RÜFFEL Na ja – tu das! Ich schicke Dir unsre drei Menschen her. Das hättest Du doch gleich sagen können.

Ab rechts unten.

RÜBEZAHL Dich wollt ich auch belauschen.
Rüffel lacht hinter der Szene.

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