Rübezahl

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Dreiundzwanzigster Auftritt Rübezahl. Quiwi.
QUIWI setzt sich links vom Tisch dem Rübezahl gegenüber – der sie während des Folgenden unbewegt anblickt Wenn Du wüsstest – was mich bewegt! Schon geht Alles, was ich sehe, langsam zurück – und es wird bald kleiner und dann wieder grösser. Und ich möchte, dass Du das, was ich empfinde, mitempfinden könntest. Meine Ohren hören schon anders als sonst – viel mehr – ferne Melodieen – und viel Fremdes – Weites. Und ich höre auch, was Du sagst – in Dir – ohne dass Deine Lippen es verraten. Dich ekeln die Menschen an. Du willst sie ganz fort haben – weit – weit fort. Und Du zürnst mir, dass ich Dir die Drei herbringen liess. Aber ich habs so gut gemeint.
RÜBEZAHL Mich schmerzt es, dass der Mensch, wenn er die Menschheit hasst, so garkeinen Begriff von Grösse hat – dass der Menschenhass der Menschen immer soviel Niedrigkeit in sich schliesst – das Keiner dabei das Weite will. Ja, Du hast recht – diese drei Menschen, die Du mir hergebracht hast, ekeln mich an. Und ich möchte, dass alle Menschen zu Grunde gehen – alle Menschen! Höre, Quiwi, was ich will: Neue Erdbeben sollen mein Herz erleichtern – die Menschen sollen alle zu Grunde gehen – alle! Aber rasch solls geschehen, damit ich sie schnell vergesse.
QUIWI zitternd Und wie lange wird es dauern – bis sie fort sind?
RÜBEZAHL In tausend Jahren wirds gehen.
QUIWI Tausend Jahre – muss ich unten – fern von Euch – allein leben – im Granit leben.
RÜBEZAHL Auch die Jahre werden vorübergehen.
QUIWI Für mich gehen sie so langsam hin, dass ich sehr – sehr leiden werde. Keinen werde ich haben, der mein grosses Weltleben da unten mitempfinden wird. Ich bin zu schwach, das Grosse – allein zu tragen. Und so wird das Grosse nur eine grosse grosse Qual für mich sein.
RÜBEZAHL ergreift ihre Hand Sei stark, Quiwi! Wir vergessen Dich nicht. Das Grosse ist doch so herrlich.
QUIWI mit geschlossenen Augen Ich sehe durch die Erde nach allen Seiten – und – ich höre mich, Rübezahl! – ich sehe bereits viele Menschen, deren Blick sich weitet. Menschen sinds – in einsamen Räumen – diesen Menschen wird der Himmel immer grösser – und ihr Leben wird ihnen auch immer grösser. Diese Menschen – wenige sinds nur – aber sie sind auf jener Seite
Nach oben zeigend und auch dort
Nach hinten zeigend – diese Menschen – empfinden immer mehr – vom grossen Weltleben – sie leben mit mir – als wärens – meine Kinder. Und ich weiss nicht, ob Du diese auch hassen darfst – wenns auch blos Menschen sind! Ihr Blick wird doch schon weiter – so gross und frei – so – hell.
Rübezahl nimmt Quiwis Hand mit seinen beiden Händen und drückt sie fest zusammen.

Vorhang

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