Rübezahl

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Sechzehnter Auftritt Rübezahl. Von Schmalz.
RÜBEZAHL setzt sich rechts an den Tisch, von Schmalz im Folgenden links. Also: möglichst kurz!
VON SCHMALZ eilfertig Nur kurz und schnell möchte ich Ihnen, Herr Rübezahl, sagen, dass ich jetzt verstehe, was sie von uns wollen. Es liegt Ihnen, der sie ein ausserordentlich reicher Mann sind, sehr viel daran, Ihre Macht in schärfster Weise zu betätigen. Und man betätigt seine Macht dadurch, dass man die Niedrigergeborenen die ganze Schwere seiner Faust fühlen lässt. Und darum wollen Sie, Herr Rübezahl, immer neue Ideen haben, das niedrigergeborene Volk zu malträtieren. Ihre Frau Gemahlin sagte mir das so nebenbei, dass ichs anfänglich für einen Scherz hielt. Aber jetzt bin ich meiner Sache sicher, und ich erkläre Ihnen hiermit unter vier Augen, dass ich Sie in vorzüglicher Weise bedienen kann und will. Ich verstehe vollkommen, dass der Reichtum leicht eine grosse Reizbarkeit erzeugt, die – sagen wirs einfach – grausam macht. Und ich stehe auch ganz auf dem Standpunkte, dass der Machthaber allein das Recht hat, sich auszuleben. Ein Machthaber muss zunächst das Selbstbewusstsein der Menschen zerbrechen; straffe Tonart ist nötig. Der Boden ist heute gut vorbereitet – und ich kenne die besten Düngemittel. Es dreht sich darum, die Menschen so zu drillen, dass ihnen garnicht mehr – ein grösseres Gesichtsfeld – übrigbleibt.
RÜBEZAHL steht auf und stampft mit dem Stuhl auf Sie müssen, Herr von Schmalz, über die radikale Zerstörung des menschlichen Gesichtsfeldes weiter nachdenken.
VON SCHMALZ. Mein Losungswort heisst: die Gedankentätigkeit der Menschen ständig kontrollieren und unfrei machen.

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