Kometentanz

Die Sterne des Himmels

Abermals kommen neue Wandelsterne aus der Fixsternwelt heraus —  gasartige Lichtgestalten, die durcheinander gehen —  wie Schatten. Immerzu flackern bunte Blitze auf. Es entwickelt sich eine berauschende zitternde Fülle ungeheurer Lichtspiele.

Kometen, die Flammenschwertern gleichen, sausen durch das chaotische Weltenreich.

Glühende Bandmeteore schlängeln sich wie Feueraale überall durch.

Die runden und die reicher geformten Wandelsterne, die oft zur Seite schweben, aber nur selten ganz verschwinden, werden oft in allen möglichen Farben von durchziehenden Kometenschweifen beleuchtet.

Die Sphärenmusik erreicht die größte Klangstärke und klingt zuweilen so, als würden alte Felsen von Riesenkrallen zerkratzt. In diese aufgeregte Licht—  und Farben—  und Formenwelt schweben aus der Tiefe kommend die drei großen Kometen mit senkrecht in die Höhe stehendem Kopflicht langsam hinein und hinauf —  die drei Kometen haben wieder die drei Menschen, die von ihnen in den Himmel entführt wurden, in den glitzernden Armen.

Alle Sterne schweben seitwärts und in den Hintergrund und machen Platz.

Die Kometen schweben mit dem König und der Zofe und dem Scharfrichter, die jetzt ruhig ihren Kopf nach allen Seiten drehen, langsam nach oben in noch höhere Sphären, die unsichtbar sind. Die Sphärenmusik wird immer leiser und weicher.

Der Mond steigt auch aus der Tiefe wieder heraus und schwebt lächelnd ganz langsam nach oben den Kometen und Menschen nach. Wie der Mond beinahe oben ist, fällt langsam der Vorhang.

Und die Sphärenmusik klingt ganz leise wie aus weiter weiter Ferne.

Und die Stimme der Nachtigall tönt auch wie aus weiter weiter Ferne.
Finis

scheerbart-theater   »Kriegstheater«

Index: Theater

Paul Scheerbart  https://scheerbart.de ein fognin Projekt

https://scheerbart.de/edit/impressum/der-digitale-bettler/