Der Wetterfürst

ps_147
Zweiter Aufzug
Es wird wieder hell. Die Scene ist wie vorhin. Jarrimo sitzt im Lehnstuhl allein. Lisabella kommt von links.
LISABELLA  Nun, Väterchen, hast Du den Sturm abbestellt?
JARRIMO Ich habs getan.
LISABELLA Ach, Väterchen, wie dank ich Dir!
Kniet vor ihm nieder und küsst seine Hand.
JARRIMO Ich fühle, dass ich sterbe.
LISABELLA Aber – Väterchen!
JARRIMO Gieb mir noch ein Glas Wein.
LISABELLA läuft zum Buffet und giesst ein Glas Wein ein. Hier, Väterchen! Aber sterben darfst Du nicht.
JARRIMO Ich muss.
Er trinkt das Glas halb aus.
LISABELLA Warum?
JARRIMO Weil ich Dir den Willen getan habe.
Er sinkt zurück, das Glas fällt und zerbricht.
LISABELLA Vater! Roderich! Roderich!
Sie hebt des Vaters Kopf und hält ihn, Roderich kommt.
LISABELLA Der Vater stirbt.
RODERICH Das wusste ich. Er hats so haben wollen.
LISABELLA Weil er den Sturm abbestellt hat? Deswegen?
RODERICH Deswegen musste er sterben.
Setzt sich auf den Diwan, Lisabella liegt wieder vor ihrem Vater auf den Knieen und streichelt seine Hände
LISABELLA Väterchen, warum hast Du mir das nicht gesagt? Ich hab das doch nicht gewusst.
Weint
RODERICH Weisst Du, Kind, warum Dein Vater starb?
LISABELLA Warum?
RODERICH Er wollte Dir durch seinen Tod zeigen, dass es nicht gut ist, Mitleid zu haben – mit den Menschen.
LISABELLA Und warum ist es nicht gut?
RODERICH Weil den Menschen des Mitleid garnichts nützt.
LISABELLA aufstehend Und um mir diese Weisheit beizubringen – dazu musste mein Vater sterben?
RODERICH Er war Dir wohl zu gut; er hatte wohl Mitleid mit deinem Mitleiden.
LISABELLA Und so bestrafte er sich selbst?
RODERICH Vielleicht.
LISABELLA setzt sich auf ihren Stuhl am Fenster. Ich habe kein Mitleid mehr – mit Keinem.
Sieht starr hinaus.

Vorhang!

 

 

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