»Kriegstheater«

»Kriegstheater«

ps_080 Mr. William C. Rumboldt ist jetzt in New York der Mann des Tages. Eine große Idee bewegt ihn: mit einem grandiosen Kriegstheater will er die Welt beglücken. Daß nach der Erfindung des lenkbaren Luftschiffes ein amerikanischer Millionär diese Idee aufgreifen würde, war vorauszusehen. Zunächst sollen (natürlich) veritable Luftschlachten zwischen Yankees und Japs vorgeführt werden. Das ist in Amerika aktuell und wird die Kassen prächtig füllen. Das Theater erhält die Form einer sehr langen Rennbahntribüne, so daß die Akteure in der Luft über einen respektablen Raum verfügen können. Eine amerikanische Idee!

»Technische Schwierigkeiten«, behauptet Mr. Rumboldt in einem Flugblatt, »gibt es nicht. Vielleicht erbaue ich das neue Schauspielhaus an der Meeresküste. Dann könnte man den ganzen Luftkrieg über dem Wasser inszenieren. Torpedoboote und Kriegsschiffe mögen die Schlachtenbilder vervollständigen. Das Abstürzen der Ballons müßte dann allerdings unter großen Vorsichtsmaßregeln geschehen. Die Illusion ließe sich schließlich ja auch durch Puppen und künstlich hergestellte menschliche Gliedmaßen erzeugen. Aber die Hauptakteure – das kann ich hier gleich bestimmt erklären – werden lebende Menschen sein, die mit Fallschirm und Schwimmgürtel ausgerüstet in die Tiefe stürzen. Besondere Sorgfalt wird auf die Schlachtentfaltung während der Nacht verwendet. Scheinwerfer und Raketen sollen dann eine Hauptrolle spielen. Die Beleuchtung der Ballons wird stellenweise von feenhafter Pracht sein. Ballons von Riesendimensionen sind zu bauen. Die großen Hornsignale werden einen musikalisch abgetönten Charakter tragen und dem großen Kanonen-Motorrad- und Raketen-Konzert einen ganz aparten Effekt hinzufügen. Sollte es mir verboten werden, meinen Plan an der Meeresküste auszuführen, so werde ich auch vor freiem Felde die Illusion vollständig machen, da ja große Landflächen mit Leichtigkeit unter Wasser zu setzen sind.«

Dies nur ein weniges aus dem Flugblatt des Herrn Rumboldt; man hat, wie bei allen derartigen amerikanischen Unternehmungen die Empfindung, daß zum Schluß eine imposante Reklame sich enthüllt. Sie bleibt nicht aus. Am Ende des Flugblattes kündet eine Theaterrequisiten-Fabrik an, daß sie künstliche und abgerissene menschliche Gliedmaßen in großer Anzahl herstellt – und nebenbei auch alle anderen Theaterbedarfsartikel – als da sind Kulissen, Kostüme, Luftballons, Fallschirme und dergleichen.

Amerikanische Reklame!

Wird Europa nicht allzubald allzuviel von solcher Reklame gelernt haben?

 

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