Glasarchitektur

XXIX

Hohle Glaskörper in allen möglichen Farben und Formen als Wandmalerei (die sogenannten Glassteine)

 

Die sogenannten Glassteine bilden auch ein Wandmaterial, das wohl zu einer interessanten Specialität der Glasarchitektur werden kann.
Es haben sich bereits große Industrieen gebildet, die wohl eine große Zukunft in allernächster Zeit haben könnten.
Ästhetisch ist alles berechtigt als Wandmaterial, was feuersicher und Licht durchlassend ist. Die Glassteine dürften viel Eisengerippe überflüssig machen.


 

XXX
Aschingers Bauten in Berlin 1893

 

Ideen müssen, wenn sie wirksam werden wollen, eigentlich »in der Luft liegen«; es müssen die Ideen in sehr vielen Köpfen zu gleicher Zeit da sein wenn auch in verzerrter Gestalt. Dieses wurde mir im Jahre 1893 oder etwas später klar. Franz Evers redigierte die theosophische »Sphinx« und wurde infolgedessen mit theosophischen, spiritistischen und anderen Schriften überschüttet; in diesem Wuste fand sich vieles, das zum Lachen zwang. So erklärte auch ein Herr, dessen Namen ich nicht behalten habe, daß alles Heil im Glase enthalten sei, man müßte immer einen Glaskristall neben sich auf dem Schreibtisch haben, in Spiegelzimmern schlafen usw. usw.
Das hörte sich alles ganz verdreht an. Aber Aschingers Bierhallen mit den fürchterlichen Spiegeln erschienen mir bald als ein Echo jener theosophischen Schrift von den Spiegelschlafzimmern. Jedenfalls liegt hier ein telepathischer Kontakt vor.
Jede vernünftige Idee wird nach meiner festen Überzeugung in vielen Köpfen immer zu gleicher Zeit erscheinen und auch in der krausesten Verzerrung; man sollte sich also nicht so sorglos über das Verdrehte und Verrückte aussprechen; es ist zumeist ein Echo von ganz Vernünftigem.
Im Orient wird der Verrückte und auch der Wahnsinnige auf freiem Fuß belassen und im Volke als Prophet verehrt.
Doch dieses nur nebenbei!


XXXI
Das Glasmosaik und der Eisenbeton

Es muß betont werden, daß der Eisenbeton mit Glasmosaik bedeckt wohl das dauerhafteste Baumaterial darstellt, das wir bislang entdeckt haben.
Man hat immer so große Furcht, daß das Glas von ruchloser Hand zertrümmert werden könnte. Nun die Fälle, in denen von der Straße aus Fenster durch Steine zertrümmert werden, sind heute wahrhaftig nicht mehr zahlreich; man wirft viel eher nach einem Menschenkopf mit Steinen als nach einer Fensterscheibe.
Daß Glasmosaik aber mit Steinen beworfen wurde, ist mir gänzlich unbekannt.
Im vorigen Jahrhundert, als die Drähte der Telegraphie aufkamen, wollte man diese Drähte aus Furcht vor der rohen Bevölkerung sämtlich unterirdisch anlegen. Heute aber denkt kein Mensch an die Zerstörung der oberirdischen Drähte.
Deshalb braucht man auch nicht zu fürchten, daß die Glashäuser von Steinen aus roher Hand zugrunde gerichtet werden könnten.
Doch dieses auch nur so nebenbei.


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