Glasarchitektur

XXI
Glas, Email, Majolika und Porcellan

 

Alle Baumaterialien, die haltbar und in wetterbeständigen Farben zu erhalten sind, haben Existenzberechtigung. Der zerbröckelnde Backstein und das brennbare Holz haben k e i n e Existenzberechtigung; ein Backsteinbau ist auch leicht zu zertrümmern durch Sprengstoffe, die immer gleich dem ganzen Gebäude gefährlich werden, während dieses beim Glaseisenbau nicht der Fall ist; in diesem kann immer nur eine partielle Zerstörung durch Sprengstoffe herbeigeführt werden.
Wo die Verwendung des Glases nicht möglich ist, läßt sich Email, Majolika und Porcellan verwenden, die wenigstens haltbare Farbe zeigen können, wenn sie auch nicht lichtdurchlassend sind wie das Glas.


 

XXII
Die Tiffany— Effekte

 

Der berühmte Amerikaner Tiffany, der das sogenannte Tiffany— Glas einführte, hat dadurch die Glasindustrie sehr gefördert; er führte die F a r b e n w o l k e n in das Glas. Durch diese Wolken sind die herrlichsten Effekte möglich und die Wände erhalten dadurch ganz neue Reize, die allerdings die Ornamentik in den Hintergrund bringen, sie aber an besonderen Stellen nicht unmöglich machen.


 

XXIII
Die Vermeidung der Quecksilberspiegeleffekte

 

Wenn die Gefährlichkeit der Tiffany— Effekte auch nicht ganz geleugnet werden darf sie sind im übrigen nur in unkünstlerischen Händen gefährlich so sollte man doch den Quecksilberspiegeleffekten nur im Ankleideraum ein Nützlichkeitsdasein gestatten.
In den andern Räumen des Hauses sind die Spiegeleffekte, die ihre Umgebung immer wieder in andrer Beleuchtung widerspiegeln, für die architektonische Gesamtwirkung störend, da sie nicht Bleibendes haben.
Wo Kaleidoskopeffekte gewünscht werden, sind sie wohl berechtigt sonst aber tut man gut, dem Quecksilberspiegel aus dem Wege zu gehen; er ist gefährlich wie ein Gift.


 

XXIV
Die Vermeidung des Figürlichen in der Architektur

 

Wenn Architektur Raumkunst ist, so ist das Figürliche n i c h t Raumkunst und paßt daher in die Architektur nicht hinein.
Der tierische und menschliche Körper ist für die Bewegung geschaffen, die Baukunst ist n i c h t für die Bewegung geschaffen, ist deshalb auf das Stilisierte und das Ornament angewiesen.
Nur sollte man das Pflanzen—  und Steinreich der Erde stilisieren oder besser das ganz frei Erfundene  nicht aber an Stilisierung des Tier—  und Menschenkörpers denken. Daß dieses die alten Ägypter taten, rechtfertigt die Sache heute durchaus nicht; u n s r e Götter bringen wir mit dem Tier—  und Menschenkörper nicht mehr zusammen.


 

XXV
Der Gartenarchitekt und die Baum—  und Pflanzenwelt zur Rokokozeit

 

Zur Rokokozeit ging man mit den Bäumen und Pflanzen so um, als wenns ein knetbarer Lehm wäre; die Bäume wurden der perspektivischen Wirkung wegen zu Wänden geschnitten, die Taxushecken zu geometrischen Figuren. Jedenfalls beherrschte der Architekt den Garten. Er sollte es heute auch tun. Aber die mühselige Behandlung des pflanzlichen und baumartigen Materials lohnt doch wohl nicht  schon der verschiedenen Jahreszeiten und der Vergänglichkeit wegen nicht.
Mehr Glaswände im Garten würden diesem ein ganz anderes Ansehen geben, den Garten der Hausarchitektur angliedern, wenn diese Hausarchitektur Glasarchitektur ist. Es ist garnicht auszudenken, welch wundervolle Wirkungen dadurch erzielt werden könnten. In der Nähe von Teichen ließe sich wohl auch gelegentlich eine Spiegelwand denken. Nur ist mit ihr sehr sparsam umzugehen.


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