Glasarchitektur

XIII
Der »Sachstil«

 

Der verehrliche Leser dürfte vielleicht die Empfindung haben, daß die Glasarchitektur ein wenig kühl ist. Aber  in der warmen Jahreszeit ist das I(ühle doch ganz angenehm.
Jedenfalls möchte ich behaupten, daß auch die Farben im Glase sehr glühend wirken können; vielleicht strömen sie eine »neue« Wärme aus.
Damit das bislang Gesagte eine etwas wärmere Atmosphäre bekommt, möchte ich hier in der hitzigsten Weise den ornamentlosen, sogenannten »Sachstil« bekämpfen, da er unkünstlerisch ist.
Es ist das schon oftmals von anderer Seite geschehen. Es geschehe hiermit aber noch einmal.
Als Übergangsperiode erscheint mir der »Sachstil« wohl akzeptabel, jedenfalls hat er der Nachahmung der älteren Stile den Garaus gemacht. Diese älteren Stile sind ja Produkte der Backsteinarchitektur und der Holzmöbel.
Die Ornamentik im Glashause wird sich also wohl ganz selbständig entwickeln die Ornamentik des Orients, der Teppiche und Majoliken so umbilden, daß von Nachahmung in der Glasarchitektur hoffentlich niemals gesprochen werden dürfte.
Hoffen wir’s!


 

XIV
Die Verkleidung des Baumaterials und ihre Berechtigung

Eine Hausfront mit vergänglicher Stuckplastik zu umkleiden, ist natürlich verwerflich, auch der einfache Farbenanstrich, der der Witterung nicht Stand hält, verbietet sich von selbst. Die Architekten haben deshalb »jede« Verkleidung für unberechtigt erklärt und zeigen deshalb auch die Backsteinfront ganz nackt. Ein scheußlicher Anblick! Backstein wirkt nur, wenn er verwittert ist und Ruinencharakter zeigt dann wirkt er eben wie eine Ruine. Die alten Ägypter umkleideten ihre Backsteinpyramiden mit glatten Granitflächen. Die sind nicht zugrunde gerichtet, sondern gestohlen worden. Wenn letztes geschieht, ist eine Erhaltung natürlich ausgeschlossen.
Die Verkleidung eines minderwertigen Materials ist nach meinem Dafürhalten durchaus berechtigt.
Da man nun sehr viele Nutzbauten hat, die nicht durch Glasbauten von heute bis morgen zu ersetzen sind, so kann man sehr wohl an eine dauerhafte Umkleidung dieser Nutzbauten (Fabriken, Hafenanlagen usw.) denken. Emailplatten auf Eisen und Majoliken eignen sich durchaus. Alte Mauern, Zäune aus Backstein, Stallungen usw. können ebenso umkleidet werden.
Auch lassen sich Häuser durch Dachgärten einen passablen Anstrich verleihen, wenn in diesen Dachgärten Glaspavillons in größerer Zahl aufgerichtet werden.


 

XV
Die Politur des Eisenbetons und dessen plastische Bearbeitung

 

Der Eisenbeton ist ein Baumaterial, das sehr fest und wetterbeständig ist. Mit Recht hat also der Architekt den Eisenbeton für ein ideales Baumaterial erklärt. Es ist nur bedauerlich, daß es nicht durchsichtig ist. Das ist allein das Glas.
Aber der Eisenbeton ist nicht ansehnlich, wenn er im natürlichen Zustande bleibt. Deshalb ist die Politur des Eisenbetons, die ausgeführt werden kann, sehr zu empfehlen; der Politur soll sich auch wetterbeständige Farbe zufügen lassen.
Außerdem ist der Eisenbeton auch mit plastischem Ornament zu versehen; er ist ebenso leicht mit dem Meißel zu bearbeiten wie Granit. Granit ist ja nicht grade »leicht« zu bearbeiten, aber es geht doch.


 

XVI
Email und Niello in Lamellen auf Eisenbeton

 

Da sich Lamellen aus Metall beim Guß des Eisenbetons in dessen Oberfläche pressen lassen, so läßt sich diese mit Email eventuell mit durchsichtigem Email cloisonné ausfüllen.
Bei Ausmeißelung kleiner Flächen sind diese auch mit Niello zu versehen. Lackniello wird sich nur im Innern des Raumes anbringen lassen. Im Äußern würde Metallniello sehr gut wirken; es sollten aber nur edle Metalle Verwendung finden; die Patina der Bronze käme ebenfalls in Frage.
Glasmosaik ist natürlich auch möglich.


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