Glasarchitektur

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IV
Die doppelten Glaswände, Licht, Heizung und Kühlung

Da die Luft einer der schlechtesten Wärmeleiter ist, so ist die doppelte Glaswand für die ganze Glasarchitektur Bedingung. Die Wände können einen Meter voneinander entfernt sein auch noch einen größeren Zwischenraum haben. Das Licht zwischen diesen Wänden leuchtet nach außen und nach innen. Sowohl die äußeren wie die inneren Wände können farbig ornamentiert sein. Wenn dabei zu viel Licht durch die Farbe verschluckt wird, so ist die Außenwand auch ganz hell zu lassen; dann empfiehlt es sich nur, das Licht zwischen den Wänden nach außen mit einem farbigen Glasschirm zu versehen, damit das Wandlicht des Abends auf der Außenseite nicht einfach grell erscheint.
Heiz—  und Glühkörper zwischen die Wände zu bringen, wird sich in den meisten Fällen nicht empfehlen, da dadurch zu viel Wärme oder Kälte an die Außenluft abgegeben wird.
Wohl aber kann man Heiz—  und Kühlkörper in Ampelform im Innenraume unterbringen, da ja dort alle Lichtampeln zum Teil überflüssig sind, wenn die Wände das Licht spenden.
Selbstverständlich empfiehlt es sich, zunächst nur in der gemäßigten Zone Glashäuser zu bauen und nicht gleich in Äquatorial—  und Polargegenden; in der wärmeren Zone wird man wohl ohne weiß gehaltenes Eisenbetondach nicht auskommen, doch in der gemäßigten Zone kommt das weiße Eisenbetondach nicht als Notwendigkeit in Betracht.
Für die Heizung sind auch elektrische Heizteppiche zu empfehlen, die auch den Boden bedecken können.


 

V
Die Eisengerippe und die Eisenbetongerippe

 

Die Eisengerippe sind natürlich für die Glasarchitektur unentbehrlich. Ein außerordentlicher Aufschwung der Schwerindustrie muß dadurch herbeigeführt werden. Wie nun das Eisen gegen Rost zu schützen ist, das ist noch nicht in zufriedenstellender Art gelöst. Es gibt sehr viele Mittel, dem Roste zu begegnen. Welches Mittel das beste ist, wissen wir noch nicht. Der einfache Anstrich in der bislang üblichen Weise läßt in ästhetischer Hinsicht soviel zu wünschen übrig, daß der Glasarchitekt wohl darauf bedacht sein muß, Besseres zu bieten. Dieses können wir aber ruhig der Entwicklung überlassen.
Ist man bereit, dem Gerippe größere Dimensionen einzuräumen, womit man sich ja ohne weiteres einverstanden erklären kann, da ja nicht jeder Zoll des Glashauses aus Glas zu sein braucht, so wird man das Eisenbetongerippe wohl in Erwägung ziehen dürfen.
Der Eisenbeton hat sich ja als Baumaterial so vortrefflich bewährt, daß zu seinen Gunsten hier garnicht weiteres zu sagen ist.
Der Eisenbeton ist auch künstlerisch umzubilden entweder farbig zu machen oder durch Meißelarbeit ästhetisch wirkend auszugestalten.


 

VI
Die innere Umrahmung der Glasflächen

 

Das Eisen—  oder Eisenbetongerippe umrahmt das Glas im großen und ganzen, aber die Glasflächen müssen noch eine innere kleinere fensterartige Umrahmung haben. Für diese wurde im Botanischen Garten zu Dahlem, wie schon erwähnt, vergängliches Holz verwertet. Für das Holz muß nun ein haltbareres Material gefunden werden. Das Eisen ist wohl haltbarer, muß jedoch gegen Rost geschützt werden. Das ist durch Vernickelung oder Anstrich zu erreichen. Letzter ist, wie schon gesagt, ästhetisch nicht einwandfrei, muß auch sehr oft erneuert werden. Vielleicht ist der Eisenbeton auch hier ein ideales Baumaterial, er nimmt wohl nicht zu viel Fläche in Anspruch.
Es kämen noch verschiedene neue Baumaterialien in Betracht, diese sind aber noch nicht so geprüft, daß hier näher auf die neuen, für Umrahmung der Glasflächen geeigneten Materialien eingegangen werden könnte. Das ist auch Sache des Fachmannes, der schon das Richtige finden wird. Jedenfalls kommen nur sehr feste und rostfreie Materialien in Betracht; das Holz ist nicht haltbar und darf in Eisenkonstruktionen nur als Notbehelf Verwendung finden. Auch in Brücken, die ganz aus Eisen und Eisenbeton konstruiert sind, findet das Holz keine Verwendung mehr. Die Glasarchitektur ist aber zur Hälfte ebenfalls Eisenarchitektur; die Schwerindustrie hat dadurch ein ganz neues Absatzgebiet gewonnen, das den Konsum des Eisens mindestens um das Zehnfache steigern muß.


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