Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Der jüdische Weinwirt schüttelte bedenklich das lockige Haupt.

Buchtury fiel über die Lilien den Abhang hinunter —  in den Tigris.

Der jüdische Weinwirt rettete den Betrunkenen, was nicht ganz gefahrlos erschien.

Nach diesem Unfall brachen die Zecher auf und wohnten in der Nähe der Terrasse in der Sattelgasse einem Hahnenkampfe bei.

Safurn kam, als er die wütenden Hähne mit ihren scharfen Sporen aufeinander loshacken sah —  eine gräßliche Erinnerung.

Er dachte plötzlich an seine Tarub —  —  beim Barte des Propheten! —  die Erinnerung war peinlich!

Tarub pflegte, wenn Safur betrunken ohne Dolch nach Hause kam, ebenfalls wie ein Hahn auf den betrunkenen Dichter loszuhacken.

Safur ward daher ingrimmig und rannte davon.

Aber er ging noch nicht zur Tarub zurück.

Er trank sich erst in einigen Weinkellern —  Mut. Und dann ging er in die Moschee und zankte sich mit einigen Koranstudenten.

Und dann ging er zu den Sängerinnen der alten Dschellabany und klagte den Mädchen sein Leid.

Er ließ sich ruhig auslachen, lachte sich selber aus —  wurde jedoch immer betrunkner und immer gereizter.

Er fluchte auf die Tarub, als wenn sie an seinem Rausch die Schuld trüge.

Wie’s Nacht geworden und die Sterne funkelten, stand der Dichter vor Saids Gartenmauer und wußte nicht, wie er da hingekommen. Er knirschte fürchterlich mit den Zähnen.

Der sonst so kluge Dichter konnte sich nicht gerade halten —  schwankte wie ein Rohr im Winde.

Schlotternd hing dem Wüstlinge das braun und blau gestreifte Beduinengewand um die Glieder rum.

Und die Welt war so schrecklich heiß.

Und Safurs Kopf war so schwer wie Blei.

Und des Dichters Herz klopfte wie ein Schmiedehammer.

Und des Dichters Hände zitterten wie die Blätter der Pappeln, wenn der Wind hindurchfährt.

Ach —  schließlich kletterte Safur über die Gartenmauer, fiel in eine Dornenhecke, zertrampelte ein Tulpenbeet, stieß sich den Kopf an einem Birnenbaum und stieg darauf etwas blutend und voll Schmutz durch das Küchenfenster in Tarub’s Küche.

Tarub sieht ihn, erschrickt, wird aber gleich furchtbar wütend und wirft ihrem Geliebten einen braunen Milchtopf mit Milch an den Kopf, daß dem armen Dichter die weiße Milch übers braune Gesicht rinnt.

Dann schreit die Tarub wie eine Verrückte und haut ihrem Geliebten mit einem Schrubber auf den Kopf.

Safurn wird die Sache zu toll. Er packt seine berühmte Köchin an die Gurgel.

Aber ach! —  in dieser wüsten Nacht ist er schwächer als seine berühmte Köchin.

Sie verprügelt ihren Geliebten und wirft ihn durchs Fenster in den Garten.

Töpfe, Flaschen, Kruken, Holzstücke, Gläser, Eimer voll Wasser —  und alte Fleischstücke —  greulich! —  alles Dieses fliegt dem fein gebildeten Feinschmecker, dem großen Dichter —  an den Schädel.

Und der betrunkene Dichter flieht.

Und die Tarub, Bagdads berühmte Köchin, wütet in ihrer Küche wie eine toll gewordne Dschinne auf dem Demawand.

Niemand wagt es mehr, in Tarub’s Küche zu steigen —  in dieser Nacht ist es ganz unheimlich in Saids Hause.

Die Tarub wütet und schlägt manchen schönen Topf kurz und klein.

Der Dichter flieht —  aus dem Garten raus —  weit fort —  er flucht jetzt auf die Tarub —  wie ein Kameltreiber.

Häßliche Schimpfworte schreit er in die Nacht hinaus und knirscht dazu mit den Zähnen.

In der Ferne blitzt es —  greulich grell.

Unheimlich ist diese Nacht!


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