Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Träge zieht eine Karawane an den Teetrinkern vorüber.

Die Kamele nicken einförmig mit den drolligen Köpfen, die Pferde suchen mit der Schnauze den heißen Erdboden zu erreichen. Die Kameltreiber schwitzen und fluchen.

Träge zieht die Karawane vorüber —  ein Bild tiefster Erschöpfung —  ein Bild lähmender Schlaffheit.

Das Gespräch unter den Teezelten verstummt —  man verabredet noch eine Zusammenkunft abends auf der Tigristerrasse —  und trennt sich.

Abu Hischam, Kodama, Suleiman und Safur wenden sich nach rechts, gehen an einer großen Bude, die ganz mit kleinen indischen Götterfigürchen gefüllt ist, vorüber —  in die Stadt.

In den Straßen ist es leer und heiß.

Die blauen Schatten der niedrigen zumeist fensterlosen Hausmauern und die blauen Schatten der Palmen und Bananen —  verkleinern sich —  die Sonne steht schon hoch.

Der dicke Kodama gähnt und will zur Sareppa, die Andern wollen mit, und man geht hin.

Der weiße Straßenstaub durchsengt die Sandalen.

Donnerwetter! Die Hitze ist stärker als tausend Löwen.

Die Vier nehmen erst noch ein Bad.

Das erfrischt ein bißchen.

Dann geht’s zur Sareppa.

Da knallen die Peitschen.

Da fliegen die Speere und die Pfeile.

Da wiehern und stampfen die prächtigsten Hengste —  denn die Sareppa handelt mit Pferden, und ihre Hengste sind berühmt.

Auf einem freien Platze, der nur von ein paar Palmen beschattet wird, jagen junge nackte Mongolen auf schäumenden Hengsten im Kreise herum. Die Mongolen werfen dabei mit kurzen Lanzen nach einer Holzpuppe, die hoch oben unter den Blättern einer Palme hängt. Die Lanzen sausen oft in weitem Bogen fast bis auf die Straße hinaus, daß man sich in Acht nehmen muß.

Die beiden Gelehrten und die beiden Dichter gehen daher schleunigst unter ein Holzdach, unter dem Gras wächst —  da grasen die Pferde der Sareppa, und —  Beduinen bewundern die Pferde.

Manche Beduinen kaufen sich ein Pferd unter diesem Holzdache —  doch die meisten Beduinen kommen hierher, um ihre Pferde zu verkaufen —  und dann bettelnd herumzulungern.

Bagdad, diese üppige Stadt, bricht manchem Wüstensohn den Hals.

Und Safur spricht mit den Beduinen.

Er spricht von den blauäugigen Dschinnen und will mehr von diesen wilden Wüstengeistern wissen, die nachts auf schwarzen Rossen über den heißen Sand sprengen und die Menschen —  töten wollen.

Die Beduinen erzählen viel von den Dschinnen. Und vor Safur, der träumend zuhört, erscheint ein wildes Weib mit schwarzem Gesicht und hellblauen Augen; die Haare hängen dem Weibe lang und strähnig an den Schläfen nieder. Die Stirn des schwarzen Weibes zeigt senkrechte dicke Furchen. Die Mundwinkel des bläulich— blassen Mundes hängen tief runter —  ein dunkler Gespensterkopf vor einem leuchtenden Nachthimmel!

Safur erschrickt.

Und er liebt das Gesicht.

Aber plötzlich ist es wieder weg. Er sieht nur noch die Beduinen vor sich, sieht die Pferde der Sareppa grasen und den alten Suleiman drüben an dem einen Holzpfahl Kirschen essen.

Safur hört nicht mehr, was ihm die Beduinen erzählen. Er versucht wieder, das Dschinnengesicht zu sehen —  kriegt es aber nicht fertig. Ganz verstört kommt er später zu seinen Freunden zurück und ißt schweigend mit ihnen Kirschen, trinkt auch Wein mit ihnen; der Kodama ist in bester Laune, hat an jeder Hand ein Mongolenmädchen und erzählt Schnurren, daß die Mädchen sich krümmen vor Lachen.

Die Sareppa badet, die ist heute nicht zu sehen.

Die Beduinen werden aber bald aufdringlich, die Obstjungens auch, sodaß man sich nach einiger Zeit entschließt, weiter zu wallen.

Kodama übernimmt die Führung und bringt seine Freunde in ein berüchtigtes Haus.

Man geht in den großen Badegarten, wo’s sehr laut ist. Beduinen und ein paar reiche Jünglinge aus Bagdads besten Familien zechen dort mit weißen Armenierinnen.

Das eine Mädchen singt mit gellender Stimme, während sie ihren Jüngling an die Ohren packt:

»Willst Du meine Freunde töten, Steigst Du noch in meiner Gunst! Blutig muß Dein Dolch erröten! Sonst ist Lieben eitel Dunst!«

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