Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Jakuby wackelt immer mit dem Kopf und mit seinem lila Turban —  redet fortwährend zu Osman von Byzanz und von Damaskus, setzt dem dicken Schreiber auseinander, daß er in diesen beiden Städten jede einzelne Sängerin gehört habe. Osman will das garnicht glauben.

Battany ist zur Sailóndula sehr höflich, ist entzückt von ihren kleinen Füßen, ihren Veilchen und ihren Augen —  nur ihr weingrünes Gewand will ihm nicht gefallen.

Kodama streichelt der Tarub die braunen Wangen und raubt ihr eine dunkelrote Rose.

Suleiman sitzt auf dem großen Teppich, trinkt und lacht, wundert sich, daß die Andern nicht auch sitzen und lachen. Die Andern lächeln nur.

Abu Hischam und Safur stehen auf dem fünfeckigen Altan und reden mit einem fürchterlichen Eifer über die Welt und über den Genuß. Die Schwarzen mit den Fackeln staunen.

Kodama singt:

»Schenk mir Dein Roß — Und schenke mir Rosen!«

Und der Dicke trinkt mit der Tarub —  er ist schon recht heiter.

Sailóndula schaut zuweilen scheu zu dem indischen Götzenbild hinüber.

In Battanys Arbeitszimmer flöten die Flötenspieler —  sie haben auch Wein zu trinken bekommen.

Abu Hischam sagt:

»Lieber Safur, wir täuschen uns ja so oft. Wenn wir träumen, denken wir doch immer —  wir wachen. Müssen wir deswegen nicht auch in unseren wachen Augenblicken —  an unserm Wachsein zweifeln? Wenn wir aber erst zweifeln, daß dieser Altan ein Altan ist, so wird uns doch der Boden unter den Füßen fortgezogen —  dann schwankt Alles —  ja, Safur, dann schwankt Alles!«

Und der Philosoph schwankte wirklich, worüber Safur sehr lachen mußte.

Sie tranken wieder —  Saids Diener schenkten diensteifrig immer von Neuem die großen Becher voll —  der erste Weinschlauch lag schon schlaff hinter dem kupfernen Himmelsglobus.

Abu Hischam spricht weiter:

»Ja, Safur, Du hältst Dich für einen großen Schlaukopf. Du willst immer mit Deinen Sinnen genießen —  ei wenn Deine Sinne garnicht da sind —  was dann? Das Zweifeln mußt Du lernen, das Zweifeln hast Du noch nicht raus. Leben heißt zweifeln. Genießen heißt auch nur zweifeln. Immer schwanken muß man. Die großen Weisen schwanken und zweifeln immer. Trotzdem kann man ganz vernünftig sein —  man braucht deswegen nicht zum Gewohnheitssäufer zu werden. Man kann trotzdem das Große wollen —  die Welt kann noch alle Tage besser werden —  für die Entwicklung der Welt müssen wir sogar kämpfen. Das ist ja der Hauptgenuß —  wer an der Verbesserung der Welt arbeitet —  —  der pfeift auf das Fressen und Saufen —  der pfeift!«

Der große Philosoph schwankt und pfeift.

Die Flötenspieler flöten.

Safur legt ernst seine Hand auf Abu Hischams Schulter und redet nun also:

»Du irrst Dich, wenn Du glaubst, daß ich nur mit meinen fünf Sinnen genießen will. Ich will genießen in allen Formen —  in jeder Weise —  wie —  wo —  was —  das ist mir ganz gleich. Aber Alles will ich genießen —  und daher will ich auch mit meinen fünf Sinnen genießen. Immer will ich genießen —  daher will ich auch genießen, wenn ich esse. Allerdings —  Du sagtest, es gäbe noch eine übersinnliche Welt. Ich glaube ja an diese übersinnliche Welt. Die soll drum auch für mich da sein. Indessen —  nur übersinnlichen Genüssen nachgehen —  das scheint mir sehr unsinnig. Das kriegen wir ja garnicht fertig. Ich kann doch nicht immerfort an Wüstengeister denken. Allerdings —  Du hast Recht. Zu große Bedeutung darf ich den Genüssen der Zunge nicht beimessen.«

Safur denkt nach. Abu Hischam trinkt.

Abu Hischam sieht so furchtbar altbacken aus —  nüchtern ist er auch nicht mehr.

Und Abla’s Stimme ist nun auf der Galerie nebenbei zu hören, sie singt leise zu Abu Maschar:

»Komm wieder rein! Ich schenk Dir Wein!«

Das singt sie öfters.

Der Prophet ist gutmütig freundlich zu ihr wie ein milder Vater.

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