Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Das Alles ist nun Nichts für die Tarub —  die will ihn daher auf andre Gedanken bringen, er soll nicht soviel denken —  sie erzählt ihm:

»Du, Dichter! Hör bloß! Die Abla steht jetzt den ganzen Tag vor ihrem neuen Spiegel. Schrecklich! Nicht?«

»Das verleidet ihr«, entgegnet der Dichter, »den Genuß. An einer und derselben Sache kann man nicht stets das nämliche Wohlgefallen empfinden. Der Genuß läßt sich nicht wie ein Gummiband verlängern. Wir müssen immer wieder neue Reize suchen —  sonst stumpfen wir ab. Selbst gebratenen Windfisch kann man nicht alle Tage essen.«

Der Dichter, der sich jetzt sehr weise vorkommt, erhebt sich, bewundert die Sauberkeit der Küche, vergleicht Tarubs Küche mit einigen andren sehr schmutzigen Küchen und schaut dann nachdenklich in eine tiefe Holzwanne, in der sich ein paar dicke Aale wild herumtummeln; sie winden sich durcheinander und hauen sich mit den Schwanzspitzen….

Tarub rührt Teig —  aus dem dunkle Kronenklöße gemacht werden sollen —  hurtig zurecht. Alles geht sehr flink….

Und beim Teigrühren erzählt die Tarub, daß sie des Morgens jene schöne gelbe Schüssel, aus der Safur zum ersten Male in ihrer Küche gegessen —  und zwar junge Hühner in altmekkanischer Brühe —  fallen gelassen habe und daß die schöne gelbe Schüssel zerschlagen sei.

Diese Nachricht stimmt den Dichter sehr sehr traurig, er umarmt seinen Bären und wird ganz gerührt.

Und die Tarub beginnt nun, in alten Erinnerungen zu kramen; das Kramen mag sie für ihr Leben gern. »Safur«, hebt sie an, »weißt Du auch, daß Du mir damals noch die schöne Zuckerbüchse mit Deinem alten Säbelknauf verbeultest?«

»Ich weiß«, sagt der Dichter.

Er berührt gleichzeitig mit den Fingerspitzen ein paar dicke blutige Rindskeulen, die an kräftigen Eisenhaken vor der weißen Kalkwand hängen.

»Oh!« fährt aber der Bär fort, »weißt Du auch noch, wie Du da drüben an der Wand auf den weißen Mehlsäcken saßest, mit den Füßen strampeltest und mir Dein erstes Gedicht an Deine Tarub vorlasest? Weißt Du noch? Mir waren gerade die Speckstücke ins Feuer gefallen.«

»Ich weiß«, ruft lachend der Dichter.

Er schiebt einen leeren Weinschlauch mit dem rechten Fuße an die Wand, nimmt das Beil vom Nagel und hackt seiner braunen Köchin ein bißchen Holz klein.

Das Kochgeschirr aus blankem Messing, das neben dem Herde hängt, blitzt und funkelt. Die grün und blau gesprenkelten Honiggläser glitzern hinter dem Pumpenschwengel.

Die große Stahlschaufel lehnt am Türpfosten.

Die blau und rot gestickten Leinentücher baumeln —  etwas schmutzig sind sie —  über dem Kehrichteimer.

In den Eiseimern taut das Eis.

Es ist so schrecklich ruhig in der großen Küche des reichen Said.

Eier quirlen soll der Dichter schließlich.

Er tut es und denkt daran, wie er die kleine Öllampe mit dem langen Docht an der Schnauze zum ersten Mal in einer dunklen Nacht hier in der Küche brennen sah —  er half da der Tarub noch die vielen Löffel putzen.

Als er mit dem Quirlen fertig ist, will er die kleine Öllampe, die zwischen kleinen lila gefärbten Näpfchen steht, anstecken.

Aber da kommt er schön an.

»Bist Du verrückt?« schreit die Tarub, »jetzt am hellen Tage willst Du die Lamp‘ anstecken? Du fängst ja wieder gut an. Solche Dummheiten kann ich nicht leiden.«

»Sei doch nicht gleich so!« spricht milde der Dichter, dem die rauhen Worte wie Faustschläge vorkamen, »diese Heftigkeit ist mir schrecklich —  mir wird gleich ganz heiß, wenn Du in so roher grober Weise redest.«

Doch die Tarub geht an den hölzernen Pumpenschwengel und pumpt, daß das Wasser überschäumt und den blank gescheuerten Ziegelboden naß macht… sie lacht darüber aus vollem Halse; ihr Lachen schallt in den Garten hinaus.

»Da hättest Du bald das Wasser in die Milch gespritzt —  die großen Milchschalen könnten auch mal bedeckt werden.«

Also der Dichter.

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