Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Safur versetzt ernst:

»Ein wahrer Feinschmecker ist niemals satt.«

Tarub ärgert sich über diese Worte, sagt schnippisch: »Warum kamst Du denn nicht früher? Jetzt, wo ich so viel zu tun habe, bist Du hier. Zieh doch den Vorhang fort!«

Safur zieht den safrangelben Vorhang vom breiten offenen Fenster zurück und schaut in Saids grellbunten Garten hinein.

Die Sonne scheint dem Dichter von links oben ein bißchen auf den Kopf und auch auf die rechts gelegene weiße Küchenwand, an der eine lange Reihe starker Messer mit prächtigen Griffen glänzend aufblitzt.

Tarub geht dann mit ihrem Blechlöffel zu dem sinnenden Dichter, dreht ihn um und blickt ihn an, steht breitbeinig da und wackelt mit dem ganzen Körper lustig von rechts nach links und von links nach rechts —  wie ein Bär.

Und indem sie die Augenbrauen so hochzieht wie vorhin der Safur, fragt sie schmeichelnd:

»Nu? Na? Was möchtest Du jetzt wohl essen? Nu? Na? Sag! Ja?«

»Alles!« ruft da lachend der Dichter.

Drob freut sich die Tarub, wackelt wie ein Bär durch die ganze Küche und spricht darauf sehr ernst, indem sie die Hände faltet:

»Oh! Oh! mußt Du aber hungrig sein! Setz Dich gleich da drüben auf die Bastdecke —  schnell! Ich werde vor Dir auch ein weißes Tuch auf die Erde breiten. Setz Dich!«

Safur setzt sich denn auch mit untergeschlagenen Beinen und zufriedenen Gesichtszügen auf die Bastdecke. Und Tarub breitet das weiße Linnenzeug auf den roten Ziegeln mit rasch bewegten Händen vor ihm aus.

Danach bringt sie ihm das Essen.

Sie erklärt:

»Hier hast Du hartgesottene Steppeneier mit gelber Sonnentunke. Der Holzteller, auf dem die Eier ruhen, ist ganz neu und von einem ganz alten Beduinen am Rande geschnitzt. Und hier hast Du auf dunkelblauem Porzellan sauren Waldsalat…. Nachher gibt’s Bratfisch. Willst Du noch die Ölflasche?«

Safur bittet um die braune mit dem langen Halse.

Und auf einem Wandbrett unter alten Kruken und Gläsern, Bechern und Näpfen findet die Tarub nach längerem Suchen auch diese braune Ölflasche mit dem langen Halse….

Safur freut sich drüber.

Tarub auch —  sie hebt die Lederriemen, an denen das grüne Wollkleid hängt, höher. Sie spannt die Sehnen des gedrungenen braunen Halses kräftig an, stößt das Kinn und die Unterlippe vor und sieht zu, wie ihr Dichter ißt. Sie hofft, Safur werde ihr so recht was Nettes über die gelbe Sonnentunke sagen. Der hört aber gleich wieder mit dem Essen auf und redet jetzt die Finger der braunen Rechten groß ausspreizend mit weicher Stimme:

»Ich fühle mich so sehr wohl. Ein großes Wohlbehagen empfand ich soeben. Ich empfinde das jetzt noch. Kennst Du das auch? Es war mir in meinem ganzen Körper so unbeschreiblich wohlig. Es überkam mich so plötzlich eine ganz selige Stimmung. Ich dachte Nichts, ich fühlte nur. Mein ganzer Körper fühlte. Nur ein paar Augenblicke hielt es an. Aber es war nicht eine einfache Sinnesempfindung. Ich schmeckte Nichts und sah Nichts —  ich fühlte auch nicht nur in den Fingern —  Alles fühlte an mir und in mir. Ob eine so allgemeine körperliche Gesamtempfindung nur eine Magenstimmung ist? Ich habe noch garnicht Lust zum Essen. Ich fühle mich so sehr wohl. Jetzt merke ich etwas über dem Magen —  unter der Brust…«

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