Der Kaiser von Utopia

97. Schildas Ende

ps_071 Da durch die 70 000 Toten ein großer Mangel an Beamten entstanden war, so ging es leicht an, sämtlichen Bewohnern von Schilda vortreffliche Stellungen anzubieten, und die Schildbürger nahmen die Stellungen an, da sie der Kaiser in einem sehr höflichen Schreiben folgendermaßen gebeten hatte:
»Ich bin Euer Oberbürgermeister gewesen, und Ihr glaubtet, richtig zu handeln, indem Ihr später noch einen meiner Doppelgänger zum Oberbürgermeister wähltet. Deswegen tut aber auch, was ich Euch sage: die Zeiten sind zu ernst geworden – wendet Euch nicht mehr von dem Geiste des Volkes ab – dieser Geist des Volkes ist ja durch die letzten furchtbaren Naturereignisse ganz anders geworden – so ganz anders geworden, daß ich mich auch mit ihm versöhnen konnte. Also tut, was ich auch getan habe. Ich werde außerdem dafür sorgen, daß selbst denen, die sich vom Volksgeiste auch fernerhin emanzipieren wollen, kein wirtschaftlicher Schaden entsteht; die Geistlichkeit ist mit der Schonung der Emanzipierten durchaus einverstanden.«
Da klopften sich die Schildbürger, als sie das gelesen hatten, vergnügt auf die Schultern und lachten sich so lustig an – wie sie lange nicht getan hatten.
Und sie erklärten einstimmig:
»Dann hat ja alle Not für uns ein Ende.«
Danach dankten sie dem Kaiser in lustigster Form, schickten ihm den roten Mantel und die Oberbürgermeisterskappe zu, ließen alle ihre wertvolleren Sachen, die einen historischen Wert beanspruchten, in ein Altertums-Museum bringen – und zerstreuten sich über das ganze Land.
Hierauf wurde Schilda abgebrochen mit Sebastianischen Abbruchsmaschinen in acht Tagen.
Und vier Wochen später stand das Äußere des großen Lebenstempels fix und fertig dort – wo einstmals Schilda stand.

 


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