Der Kaiser von Utopia

35. Das grosse Hotel

ps_037 Zum Abschiede hatte der Prior noch seinem Gaste feierlichst gesagt: »Vergessen Sie aber nicht, daß die übergroße Lebensfülle für uns nur die eine Seite der Natur darstellt. Ebenso energisch erscheint sie uns auch im Vergehenlassen.«
»Hoho!« versetzte da der Herr Bartmann, »die Natur ist also immer überall sehr energisch! Selbst die Selbstmordstimmungen sind wie alle Mordstimmungen immer sehr energisch.«
»Fragt sich noch!« rief der Prior, aber da fuhr der Herr Bartmann schon fort und war zur Mittagszeit im größten Hotel von ganz Utopia in einem Verkehrszentrum, das an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen übrig ließ.
Hier machte der Herr Bartmann eine Reihe neuer Bekanntschaften und mußte erfahren, daß seine Reden im Luftrestaurant auf dem großen Künstlerfest sehr ungenau kolportiert waren; die Künstler hatten dem Herr Bartmann Dinge in den Mund gelegt, die er niemals geäußert hatte – bald sollte er ein Geisterseher sein – und bald eine Mönchsnatur. Aber grade diese Reden, die Alles entstellten und nach verschiedenen Seiten hin aufbauschten, machten den Herrn Bartmann zu einer berühmten Persönlichkeit, die von Neugierigen sehr bald überlaufen wurde.
Eines Morgens machte sich aber im Hotel eine große Unruhe bemerkbar; die Zeitungen brachten merkwürdige Nachrichten von der Sturmküste, dort sollte das Meer immerfort die Farbe wechseln und sehr unruhig sein, ohne daß ein Sturm ausbrach.
Der Herr Bartmann wollte mit seinem Luftwagen hinfahren, doch der Führer des Wagens weigerte sich, da die Sturmküste von allen Luftfahrzeugen der Stürme wegen gemieden wurde.
Und so fuhr der Herr Bartmann mit einem der schnellen elektrischen Züge auf einer Seilbahn zur Sturmküste, und viele Gäste des Hotels fuhren ebenfalls dorthin.

 


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