Der Kaiser von Utopia

16. Der Himmel

ps_030 Drei Tage später saß der Kaiser Philander des Abends auf der Seeterrasse und blickte zu den Sternen empor, rauchte seine Zigarre und trank Wein dazu; er saß ganz allein und sprach plötzlich zu sich selbst: »Alle Wetter! Jetzt muß ich bald fort von diesem verdammten Schilda! Immer denke ich wirklich ernsthaft darüber nach, wie wohl dieser große Himmel uniformiert werden kann. Ich fürchte, die Narrheit steckt an. Die Sterne sind natürlich zu kompliziert, und die Farbe des Himmels ist immer wieder eine andre – so was läßt sich wirklich nicht uniformieren. Aber ich denke ja tatsächlich darüber nach. Hier werde ich auch ein Narr! Ich muß fort – fort!«
Er rief einen Diener und schickte ihn zum goldenen Löwen, und bald danach saß der Kaiser dem Flugtechniker Sebastian gegenüber und plauderte mit ihm über die Narrheit.
Der Herr Sebastian meinte:
»Diese Versunkenheit der Schildaer ist nach meinem Dafürhalten bloß eine gerechte Strafe für ein bummliges Leben, das keine festen Ziele im Auge behält, nur nach Vergnügungen strebt, in Ausschweifungen verfällt und dem lächerlichen Hochmute nicht bei Zeiten richtig zu begegnen weiß.«
»So würden Sie, Herr Sebastian«, entgegnete nun der Kaiser ernst, »ohne Schaden für Ihre geistige Gesundheit ein ganzes Jahr hier in Schilda leben können, nicht wahr?«
Herr Sebastian bejahte das lächelnd, und der Kaiser meinte so nebenhin:
»Könnten Sie mir versprechen, das zu tun, wenn mir sehr viel daran läge?«
»Das könnte ich ohne Weiteres!« versetzte der Herr Sebastian lächelnd.
Da hörten sie in der Stadt ein mächtiges Klappern und ein großes Gehämmer wie in einem Eisenwalzwerk.
Der Kaiser ließ sich erkundigen, was das Geräusch zu bedeuten hätte, und erfuhr, daß die Schildaer dabei wären, ihre Stadt mit gelben und roten Tuchstreifen zu überspannen, um eine Uniformierung des Himmels herbeizuführen.

 


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