Die Asteroidenbewohner

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Die Asteroidenbewohner

Da der Durchmesser der Asteroiden – selbst der größeren – dem Durchmesser der Erde gegenüber nur einen sehr winzigen Eindruck macht, so ist es ganz natürlich, daß sich auch die Asteroidenbewohner den Erdbewohnern gegenüber wie Wesen aus dem SwiftReich Liliput ausnehmen. Die Liliputaner waren aber in der Formation des Körpers ganz so wie die Erdbewohner gebildet und unter
schieden sich von diesen nur durch die kleineren Dimensionen. Die Asteroidenbewohner dagegen unterscheiden sich von den Erdbewohnern auch ganz wesentlich in der Formation des Körpers. Diese Unterscheidung geht soweit, daß man eigentlich von Herren und Damen nicht reden kann, da sich Geschlechtsunterschiede auf sämtlichen Asteroiden noch nicht nachweisen ließen.

Wir haben zunächst auf den Asteroiden ganz andere Atmosphären, als die auf der Erdrinde befindliche.

Die abgebildete sogenannte Dame ist eine molluskenhafte Muschelnatur, deren Kopf jederzeit durch die sehr elastische Körperfülle für alle Ereignisse der Außenwelt unempfindlich gemacht werden kann. Und das ist zuweilen für diese Wesen sehr angenehm, da die Atmosphäre sich auf vielen Asteroiden sehr häufig so verändert, daß sie allen Wesen unbequem wird – eine Erscheinung, die man ja auch auf der Erde bemerken kann. Die Muscheldame atmet in ganz primitiver Weise durch die Nase und ist daher immer wieder zur Enthüllung des Kopfes gezwungen, aber die elastische Hülle schützt auch wieder, wenn die Atmosphäre schädliche Bestandteile in sich aufgenommen hat. Die Atmosphäre ist auf allen Asteroiden bedeutend schwerer als die der Erde, sie übertrifft zuweilen die Dichtigkeit des Erdwassers und ist sehr oft mit einer syrupdicken Flüssigkeit vergleichbar. Aus diesem Grunde sind auch die Hände und Füße auf den Asteroiden fast unbekannte Gliedmaßen – da Alles fliegt oder schwimmt und zum Gehen und Stehen und Greifen gar keine Veranlassung findet – entsprechend den Fischnaturen in den Erdgewässern. Die elastischen Muscheldamen kommen auf verschiedenen Asteroiden in großer Zahl vor und sind sehr gesellig und klatschsüchtig, aber nicht von bösartiger Gesinnung. Sie entstehen an hohen Felswänden, wo sie sich ziemlich schnell wie Pilzgewächse entwickeln. Man nimmt an, daß ihre Entstehung mit besonderen Arten des Meteorstaubes zusammenhängt.
Der abgebildete sogenannte Herr kommt nur in wenigen Exemplaren vor und unterscheidet sich von der Dame in vielen Beziehungen. Er atmet nicht bloß durch die Nase – er atmet vielmehr durch die großen Ropflöffel, mit denen er die Atmosphäre in großen Mengen aufnimmt und durch sich durchgehen läßt; und die anderen Extremitäten sind Organe, die für ganz besondere Qualitäten der Asteroidenatmosphäre empfindlich sein können. Es würde aber zu weit führen, hier gleich auf die Formation dieser Organe näher einzugehen – da hierzu eine genaue Kenntnis der Asteroiden gehört, die mit kurzen Worten leider nicht vermittelt werden kann.
Eigentümlich ist es, daß die Kopfformation der beiden vorgeführten Asteroidenbewohner den menschlichen Kopfformen so ähnlich gebildet erscheint.
Klar ist jedenfalls, daß eine weitere Vorführung dieser Asteroidenbewohner – den menschlichen Kunstformationen auf der Erdoberfläche ganz neue Entwicklungswege zeigen müßte.

Paul Scheerbart  http://scheerbart.de ein fognin Projekt

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