Raserei!

Raserei!

ps_117  Geister, die auf einem schrägen Glasdach immer weiter runterrutschen und in der Dunkelheit die große Angst vor dem Unbekannten empfinden, sehen in der Ferne weiße Punkte aufleuchten.
Die weißen Punkte werden größer, und die Geister erkennen, daß sich weiße Vögel ihnen nahen – leuchtende Vögel.
Die Vögel sind sehr groß, und in ihren großen Krallen haben sie große blanke Scheren. Molchköpfe haben die Vögel, und sie sagen zu den Geistern mit glucksender Stimme: »Wenn Ihr wollt, so könnt Ihr jetzt selbständig werden; mit unsern blanken Scheren können wir die Spinngewebefäden, die Euch an Eure Sterne fesseln, zerschneiden.«
Die Geister rufen natürlich: »Los! Los! Schneidet nur zu!« Da werden die Vögel so leuchtend hell, daß wieder die glitzernden Fäden zu sehen sind – und die werden dann gleich eifrig von den Vögeln entzweigeschnitten; die Scheren klappern wie in einem großen Friseurladen; es sind wohl einige hundert Scheren in Bewegung.
Und die Geister sind frei!
Und sie jauchzen und schweben gleich hoch in die Luft hinauf – und in die nächste Sternenwelt hinein.
Die Sternschwere ist fort, und die Geister sausen dahin wie flinke Kometen – nur noch flinker.
Alles Lästige ist fort.
Frei sind die Geister.
Und dahin schießen sie – bald so schnell wie Billionen Orkane zusammen.
Die Sterne flitzen nur so vorüber, daß die Geister bald gar nicht mehr sehen, an was für Sternen sie vorüberjagen.
Die Geister haben gar keine Zeit, sich das Aussehen der Sterne anzusehen – ob die eckig, rund oder schlauchförmig, scheibenartig oder wie Trichter sind – ist ja saumäßig piepe den freien Weltjägern, die nur empfinden wollen, daß sie frei sind – und hinschießen können, wohin’s ihnen paßt.
Und sie wollen hinaus in die freiste Welt – dorthin, wo’s keine Sternwelten mehr gibt.
Und die Sterne bilden für ein paar Augenblicke glitzernde Fäden rechts und links von den Geistern – so schnell schießen die dahin.
Und dann sind die Geister in einer Weltgegend, die frei von allen Sternen ist – alle großen Sternwelten zusammen bilden da bald bloß einen kleinen Lichtpunkt – und auch der verschwindet.
Und es ist finster, und Knipo wird zum Anführer der zehntausend ernannt.
Jetzt glauben die Geister, sie könnten aus einer Weltecke in die andre fahren; und sie setzen dem Knipo auseinander, daß er ihnen sämtliche Weltwunder zeigen müsse.
Knipo meint, er möchte wohl zunächst alle unsichtbaren Weltwunder sehen.
Doch auch die absoluteste Freiheit hat ihre Schranken – die Geister können das für sie Unsichtbare nicht erblicken.
Da schlägt Knipo vor, die großen bunten Gasräume zu besichtigen.
Und sie fliegen wieder raus aus der Finsternis – wieder an unzähligen Sternen vorüber, die ungeheure Polypen sind und grade die Absicht haben, sich gegenseitig die langen Beine auszureißen.
Wie die Polypen immerzu die Farben wechseln!
Aber die Geister haben keine Zeit, dem Spiele zuzuschauen – und an manchen anderen Sternschauspielen fliegen sie ebenso schnell vorüber, daß schließlich rechts und links von ihnen wiederum nur noch bunte Streifen aufflammen – so schnell rast die wilde Jagd dahin.
Und es durchrauscht die Geister eine wilde heiße Seligkeit – jetzt endlich können sie sich austoben – durch die ganze unendliche Welt durch – immerzu im rasenden Tempo durch und durch gehen – alles steht ihnen offen.
Und so kommen die Geister in die Gasräume- und da geht’s aus grüner Luft in rote – und aus der roten in die bunten Lüfte – und aus den bunten in die weißen und gelben.
Aber es geht wieder so schnell, daß sie die einzelnen Gasräume nur ganz flüchtig kennenlernen – kaum bleiben ihnen Geruchserinnerungen haften. – –

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