Kometentanz

Kometentanz

Astrale Pantomime in zwei Aufzügen

 


Personen:

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Drei große Kometen.
Sieben kleinere Sterne.
Der Vollmond.
Der König.
Erste Gemahlin des Königs.
Zweite Gemahlin des Königs.
Begeisterte Zofe.
Scharfrichter.
Lustige Person.
Der Zauberer.
Der Dichter.
Wandelsterne.
Haremsfrauen.
Henkersknechte.
Spielleute.
Hofleute.
Dienstpersonal.

 

Erster Aufzug

Die Nachtigallen

Viele Vogelstimmen —  besonders Nachtigallen —  sind zu hören —  erst leiser —  und dann immer lauter und heftiger.

Währenddem geht der Vorhang langsam in die Höhe, und ein Nachthimmel mit unzähligen flimmernden Sternen ist zu sehen. Zu beiden Seiten der Bühne werden allmählich hohe Rosenhecken, Myrthen—  und Oleandergebüsche sichtbar. Der weiße, unregelmäßig mit schwarzen zackigen Sternen übersäte Fliesenboden geht weit in den Hintergrund hinein und wird langsam immer heller.

Rechts liegt auf einer Marmorbank der Dichter mit einer Guitarre im Arme. Der Dichter hat einen blonden wohlgepflegten Spitzbart, aber seine Kleider sind braun und grau und sehr vernachlässigt. Er sieht die Coulissen an und schüttelt den Kopf, sieht das Publikum an und erschrickt —  es ist ein sehr junger recht leichtsinniger Dichter.

Eine Sternschnuppe zieht langsam schräg durch den Himmel.

Der Dichter erhebt sich hastig.

Die Gegend ist ziemlich dunkel, nur die weißen Fliesen leuchten, sodaß die schwarzen zackigen Sterne recht deutlich aus dem Fliesenboden heraustreten. Leise Sphärenmusik ertönt. Die Nachtigallen sind immer noch zu hören, doch die Vögel sind nicht mehr so laut wie am Anfange. Der Dichter setzt sich wieder auf die Marmorbank und begleitet die Sphärenmusik mit Guitarrenklängen. Eine zweite und dritte Sternschnuppe durchzieht den Himmel. Die Nachtigallen verstummen.

Die Sphärenmusik springt plötzlich in ein hastiges wirbelndes Tempo hinein, klingt aber dabei immer leiser —  immer leiser.

Die lustige Person kommt

Auf den Zehen schleicht vorsichtig die lustige Person zur Marmorbank, erschrickt beim Anblick des Dichters und deutet mit dem Zeigefinger am Munde an, daß man still sein müsse. Die Nachtigallen schlagen wie aus weiter Ferne.

Die lustige Person ist nicht mehr jung und glatt rasiert und natürlich ein Mann, ihre Kleider sind bunt und karriert und eng anliegend. Das Gesicht der lustigen Person zuckt so, als wenn’s immerzu lachen möchte —  und sich’s verkneifen soll.

Der Dichter hängt seine Guitarre über den Rücken, und die lustige Person nimmt auf der Marmorbank neben dem Dichter Platz. Beide starren schweigend in den Weltraum, in dem die Sterne funkeln, zwischen denen jetzt mehrere hellblaue grüne und rote Meteore langsam wie Schneeflocken durchrieseln. Die Sphärenmusik ist ruhiger und gleichzeitig reicher und stärker geworden.

Diener mit hohen milchweißen Stocklaternen in Oktaëderform, die alles hell machen, bringen eine Menge astronomischer und astrologischer Geräte herbei —  Quadranten, Astrolabien, ein großes Fernrohr und einen anderthalb Meter hohen schwarzen Himmelsglobus, auf dem die Sterne durch Brillanten markiert sind. Der Globus wird in die Mitte der Bühne gestellt.

Die Diener tragen sämtlich weiße Mützen in fünfeckiger Zackensternform, ihre Kleider sind faltenreich und breit gestreift in einfachen Farben.

Die astronomischen und astrologischen Instrumente werden rechts und links vor den Gebüschen aufgestellt.

Die Instrumente glänzen, und der Globus glänzt auch.

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