Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Die Tofailys sind nur noch wenige Schritte vom Brettersteg entfernt.

Die Zahl der auf den vier Böten aufleuchtenden Klingen ist nicht allzu groß; die meisten Tofailys haben ihre Säbel in den Weinkneipen der Stadt als Pfand hinterlassen —  versetzt —  was in Bagdad sehr häufig vorzukommen pflegt.

Indes —  Battany ist fast allein.

Die schwarzen Sklaven mit ihren Pechfackeln schreien nur, sind nicht sehr tapfer.

Battanys Freunde sind gleichfalls ihrer Tapferkeit wegen nicht berühmt —  nur Safur läuft auf den Steg, zieht seinen langen Dolch und hält diesen wie einen kleinen Speer wurfbereit.

Der Kampf erscheint unvermeidlich.

Doch da —  plötzlich —  spritzt das Wasser am Ufer hoch auf. Unverständliche Flüche schallen durch die Luft —  und zwei schnaubende schwarze Hengste schäumen in den Tigris hinein. Auf den Hengsten sitzen die beiden Mongolen; wild funkeln ihre Augen. Die Spitzen der langen Lanzen blitzen im grellen Fackellicht —  ganz hoch in der Luft.

Und im selben Nu verschwinden die Säbel der Tofailys.

Die betrunkenen Prasser springen danach lachend, als wenn Garnichts los wäre, aus den Böten raus, patschen durchs Wasser zum Ufer —  oder klettern auf den Brettersteg.

Torkelnd und johlend ziehen die Betrunknen die Kähne ans Land.

Die Mongolen senken die Lanzen und sehen zu —  reiten dann gemächlich an den Strand zurück.

Die Tofailys sind nicht Bagdads Dummköpfe —  im Gegenteil —  Gelehrte und Dichter sind’s zumeist.

Der junge Geograph Hamadany ist zum Beispiel ein sehr gescheiter Mann —  und dennoch hat er wieder viel zu viel getrunken; bewußtlos liegt er in dem einen Kahn, sein Kopf hängt laut schnarchend hinten über. Die Schiffer haben große Mühe, die schlaffen Glieder des Trunkenbolds ans Land zu schleppen.

Die Weinschläuche der Tofailys sind fast sämtlich leer. Ein paar jüngere Weinhändler zanken sich deshalb —  denn sie wollen von einander erfahren, wer von ihnen die fernerhin noch für die Gesellschaft nötigen Schläuche beschaffen wird. Ein derartiger Zank dauert immer sehr lange.

Währenddem höhnt ein Krämer den Safur, meint so leichthin: »Na, Freundchen! Hat Dir auch Deine Tarub, Bagdads berühmte Köchin, wieder ein paar Pasteten in die Tasche gesteckt? Gib mir was ab! Ich hab Hunger!«

Safur dreht sich um —  nach der andren Seite.

Battanys Barke ist endlich angekommen.

Osman und Kodama sind die Ersten, die in den schönen langen Kahn steigen.

Jakuby und Suleiman folgen gleich dem Beispiel der Dicken —  sind aber nicht so sicher wie diese in den Arm—  und Beinbewegungen.

Abu Hischam und Abu Maschar sprechen so eifrig, daß sie erst von Safar zum Einsteigen aufgefordert werden müssen.

Wie diese letzten Drei im Kahne Platz gefunden, überreichen die schwarzen Sklaven die Fackeln den Ruderern, heben den Battany sehr gewandt auch ins Boot und stoßen das Fahrzeug in den Strom hinein.

Die Tofailys lärmen wieder lauter.

Der Dichter Buchtury rennt jetzt mit einem halben Dutzend verrufener Tänzerinnen auf den Brettersteg und ruft den Abfahrenden noch einige Bosheiten nach —  die versteht man aber nicht mehr.

Battanys Barke wird sacht in die Mitte des Stroms hineingerudert —  dort stößt heftig der Wind in die Segel.

Und fort geht’s stromabwärts.

Die Pechfackeln knistern, flammen, lodern und werfen lange rote Farbenbündel, die immerfort wackeln, ins Wasser.

Die Wellen klingen plätschernd um die Planken der langen Barke… sie brodeln und murmeln vorn um den weißen Holzschwan, der die Spitze des Schiffes verziert…

Die eine Pechfackel hängt —  vorn an einer Stange befestigt —  hoch über dem langen Schwanenhals, ragt aber noch weiter vor als dieser… in den dunkelblauen Himmel hinein.

Hinter dem Schwan sitzt Abu Maschar in seinem weißen Beduinengewande und streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart.

Neben dem Propheten sitzt Safur. Der steckt jetzt seine rechte Hand vorsichtig in die laue Flut, und die Wasser wirbeln schäumend um seine braunen Finger.

Der Dichter fühlt, wie der Tigris wohlig um seine Handfläche strudelt, wieder und wieder durch die Finger gleitet und so weich die Gedanken belebt —  auch so voll sich anpackt wie flüssiger Schlamm.

Kitzelnd spülen die Wogen um die Fingerspitzen des Dichters.

Jasminduft weht vom Strande herüber.

Battany und seine Freunde heben lächelnd die Nasen höher —  Suleiman besonders —  der spricht dabei zu Jakuby von Narzissen und Lilien, von Wasserrosen und Riesenveilchen…

Die Gärten Bagdads liegen an den Ufern des Tigris wie schlafende Jungfraun, und ihre überreiche Blütenpracht schwebt vollen Wohlgeruch auf den breiten Strom hinaus…

Prachtvoll ist die Nacht.

Die Sterne funkeln, die Fackeln flackern, und die Wellen klingen plätschernd gegen die Barke an.

Der Astronom ist leider noch immer nicht heiter —  in dieser herrlichen Nacht, in der selbst Indiens verwöhnte Götter selig lächeln würden.

Die Stimmung ist auf der Barke ein bißchen gedrückt.

Osman —  der Schreiber —  ist entschieden der Traurigste.

Kodama unter seinem gelben Turban scheint am lustigsten zu sein.

Von den Fackeln werden grell beleuchtet —  die Dichter, die Gelehrten und die Sklaven.

Dem Philosophen Abu Hischam wird die Pelzmütze zu warm, er nimmt sie ab. Battany wundert sich darüber —  —  —  er sieht den Osman unter dem weißen neben Kodama unter dem gelben Turban, Jakuby unter dem lila gefärbten neben Suleiman unter dem schmutzigen Turban ganz schweigend dasitzen. Auch Safur und Abu Maschar in ihren Beduinengewändern sitzen vorn ganz schweigend da…

Und der Astronom erinnert sich plötzlich, daß er seine Freunde zu einer »Vergnügungsfahrt« einlud.

Und er flüstert einem älteren Sklaven einen kurzen Befehl zu.

Und gleich darauf packen die gehorsamen Diener geschäftig die Wein—  und Eßkörbe aus.

Das verbessert die Stimmung.

Der große Goldpokal wird mit Scherbett, dem berühmten würzigen Eiswein, gefüllt.

Bald geht der Pokal von Hand zu Hand.

Alle trinken schmunzelnd mit der Zunge schnalzend das eiskalte duftende Getränk…..

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