Tarub Bagdads berühmte Köchin

Das dritte Kapitel.

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Lange feine Lichtfäden glitzern auf den lustigen kleinen Wellen des Tigris; das Licht von vielen Böten und das Licht von den helleren Sternen spiegelt sich in der lauen Flut.

Battany steht auf der äußersten Spitze des großen Bretterstegs, an dem die Lustbarken Bagdads zu landen pflegen, und starrt hinein in den großen breiten Strom, auf dessen Wellen die langen Lichtfäden glitzern.

Der Astronom atmet tief auf.

Er ist einen Augenblick allein.

Die kleinen Wellen plätschern um den Brettersteg.

Ein kühler Wind weht sacht übers Wasser dahin.

Der Tigris ist groß und breit.

Die Rechte hat Battany fest aufs Herz gepreßt. Sein Hals reckt sich sehnig nach vorn. Seine Stirn ist von tiefen Falten durchfurcht. Und seine Augen brennen.

Er murmelt:

»Jakuby ist beneidenswert! Jakuby ist beneidenswert!«

Dem großen Gelehrten treten Wuttränen in’s Auge.

Er stöhnt laut —  erschrickt dann und spricht zu sich selbst —  leise —  mit knirschenden Zähnen:

»Jetzt werden sie kommen und mich höhnen! Der Mond ist hell —  er steht hinter mir —  hinter den Bäumen und lacht! Bei Allah! Ich versteh’s nicht! Ich versteh‘ Nichts! Wir können —  Garnichts! Nur die Esel bilden sich ein, was zu können! Wenn ich nur Etwas vollbracht hätte —  nur Etwas! Aber —  mir ward es versagt! Ich habe gearbeitet wie ein Steinträger und Nichts dafür errungen —  Nichts! Ich bin nur einsam geworden. Kein Freund tröstet mich —  kein Freund! Ich hab allein meine Qual zu tragen —  allein!«

Und er stöhnt wieder und atmet hastig —  mit der Linken fährt er sich über die nassen Augen.

Er blickt nach rechts —  er wartet auf seine Barke.

Doch die Barke kommt nicht.

»Heute kommt Garnichts«, murmelt er Zähne knirschend.

Seine schwarzen Sklaven stehen mit Pechfackeln am Strande.

Das Schilf wird grell beleuchtet.

Von der Seite, von der Battanys Barke kommen soll, kommt Nichts. Aber auf der andren Seite werden nun vier grüne Lampen sichtbar —  es nahen sehr rasch vier große Böte, auf denen sehr laut gelärmt wird.

Battany horcht und will zum Ufer zurück —  er kennt die Stimmen, die da in den vier Böten lärmen.

Die Tofailys nahen.

Doch Battany besinnt sich und bleibt trotzig stehen.

Die Tofailys sind tolles Volk —  sie bilden Bagdads berüchtigte Prassergilde. Schlemmer sind die Tofailys. Aber sie schlemmen nicht auf eigene Kosten —  sie lassen sich immer einladen. Geld besitzen die Tofailys fast niemals —  aber betrunken sind die Tofailys fast immer —  auch jetzt.

Battany stampft zornig mit dem Fuß auf, daß der Brettersteg poltert und wackelt, denn am Ufer erscheinen grade seine sieben Freunde —  Kodama und Abu Maschar an der Spitze.

Ein Zusammenstoß mit den Tofailys ist unvermeidlich.

Auf dem größten der vier Böte steht der alte bucklige Dichter Al Rumy —  der hat den Al Battany schon gesehen, ruft ihm gleich höhnisch zu:

»Mondprophet! Die Halbmonde wollen ja nicht so, wie Du willst! Laß den Glanz Deiner Goldstücke heller strahlen, dann werden die Halbmonde sich eher verdunkeln lassen! Halbmondprophet! Du Lichtfeind!«

Da —  im Handumdrehen —  blitzt Battanys krummer Säbel drohend über seiner indischen Mütze.

Und —  wie natürlich —  blitzen auf den Böten der Tofailys sofort ebenfalls die Säbel.

Der bucklige Al Rumy holt sein grades Schwert langsam und lachend hervor und deutet mit der Spitze des graden Schwertes tückisch auf den Astronomen.

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