Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Und Safur, der sehr ernst dreinschaut, erzählt:

»Ein junger Beduine saß bei der alten Dschellabany und trank mit ihren hübschen Sängerinnen —  Wein. Das Trinken war sehr gemütlich, denn die Sonne stand noch sehr hoch. —  —  —  Die Mädchen sind ein bißchen faul, und der Beduine spaßt nicht mehr mit ihnen, sondern erzählt ihnen was von seiner Geliebten, die ihm alle Tage zu essen und zu trinken gibt. Die Mädchen lachen und schauen sich den Beduinen sehr genau an. Der aber erzählt weiter, daß er seinen schönen Dolch versetzt und nun große Furcht vor seiner Geliebten habe. Da müssen die Mädchen noch mehr lachen —  und sie trinken, als wenn’s Garnichts kostet. Mit leeren Taschen geht daher später im Sternenschein der junge Beduine von dannen —  nicht grade —  das kann er nicht —  aber schwankend und mit schlotternden Gliedern. Er klettert über einen Zaun in einen Garten. Die Blumen duften da paradiesisch —  und goldene Äpfel fallen dem Beduinen auf die Nase. Der Himmel wird ganz dunkelblau. Ein paar Sterne fallen aus dem dunkelblauen Himmel —  auch herunter in den Garten, in dem die Blumen leuchten und duften wie im Paradies. Der Beduine schwankt weiter und will sich in ein Fenster schwingen, hinter dem seine Geliebte wohnt. Ein Duft von gebratenen —  Hasen weht ihm aus dem Fenster entgegen. Doch plötzlich fühlt er was Nasses auf seinem Kopf und sieht Nichts mehr. Ein großer Eimer ist ihm übern Kopf gestülpt, und frische Kuhmilch rieselt ihm über seinen ganzen Leib —  frische Kuhmilch!«

Safur lacht, und die Andern lachen auch.

Dann fährt er fort:

»Kaum hat der Beduine den Eimer vom Kopf gerissen, so klatscht ihm eine dicke Rindskeule an die rechte Wange. Der Beduine wird wütend, springt ins Fenster hinein und packt —  packt seine Geliebte. Die reißt sich aber los und schlägt ihm mit einem Stück Holz übern Kopf. Der Beduine wird immer wütender. Doch seine Geliebte schlägt ihm mit einem Wasserkrug um die Ohren, daß der Krug in tausend Stücke zerbricht. Dann wirft sie nach ihm mit Eisstücken und gläsernen Flaschen, mit Schutt und Müll, mit Fischköpfen und faulem Obst, mit Bratpfannen und schmutzigen Lappen —  daß der arme Beduine zurücktaumelt zum Fenster. Wie er aber am Fenster ist, hat sie ihn rasch an den Beinen gepackt und ihn kopfüber in den Garten geworfen — «

Jetzt kommt Safur nicht weiter, denn Alles lacht, daß die Barke bedenklich ins Schaukeln gerät.

Safur lacht jetzt aber nicht.

Die Tarub bringt die Nußtorte und wird mit einem Höllenlärm empfangen.

Der Scherbettbecher geht wieder von Hand zu Hand.

Es wird fast wüst.

Die Mädchen werden gekniffen und geküßt.

Safur kümmert sich aber nicht um den Lärm.

Er blickt hinaus in den Urwald am Ufer und beachtet nicht, daß man seine gute Laune preist und ihn einen echten Dichter nennt, der das Leben von der lustigen Seite zu fassen vermag.

Safur blickt in die Waldespracht, die sich am Ufer hinzieht im vollen Mondenschein.

Die blauen großen Lotosblumen leuchten am Ufer —  wie Dschinnenaugen.

Und der Dichter muß wieder an seine Dschinne denken und an die Wüstengeister.

Und er leidet —  leidet, wie ein Beduine leidet, der in der Wüste verdursten muß.

Aus dem Waldesdickicht am Ufer tönt zuweilen das Geheul wilder Tiere heraus. Die fliehen aber, denn neben und hinter der großen Barke segeln drei kleinere, die dem Battany gehören.

In diesen kleineren Barken sitzen Battanys Bogenschützen, die die wilden Tiere mit giftigen Pfeilen verscheuchen.

Safur sieht wieder vor sich das Dschinnengesicht —  das er bei der Sareppa sah.

Diesmal sieht er das Gesicht im Wasser neben weißen Wasserrosen —  das Gesicht scheint im Wasser unterzugehen, sieht so qualvoll aus.

Und Safur liebt dieses Gesicht.

Und er seufzt, daß es kein lebendes Wesen ist, daß es kein Weib ist.

Der Leidende sehnt sich nach der Leidenden.

Und er liebt seine Dschinne und vergißt Alles —  was um ihn vorgeht.

Da stößt ihm die Tarub derb in die Seite.

Und er schrickt zusammen.

Die blauen Blumen am Ufer leuchten unter den großen Bananen —  unter den dicken Stämmen der hohen Sagopalmen —  wie die blauen Dschinnenaugen der Wüste.


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