Tarub Bagdads berühmte Köchin

ps_125

Battany und Safur wandeln zusammen über die orangefarbigen, nicht gemusterten Fliesenwege —  doch nur dort, wo das weit ausladende Dach des Bücherkioskes noch Schatten spendet.

Safur erzählt wütend von der Tarub und von der Dschinne —  wild durcheinander.

Battany hört nur, daß Safur Tag und Nacht und wieder Tag und Nacht und wieder Tag und Nacht getrunken und sich schließlich mit seiner Tarub erzürnte.

Der reiche Astronom ist daher auch sehr erzürnt, wirft dem leichtsinnigen Dichter seinen höchst lüderlichen Lebenswandel vor und sagt ihm am Ende:

»Mein lieber Safur! Mit Dir ist wirklich Nichts mehr anzufangen. Du kannst das Trinken nicht mehr lassen. Du wirst noch ganz und gar verkommen. Ich verstehe Dich nicht. Du kannst nie aufhören. Du bist eben ein Gewohnheitssäufer geworden. Kannst Du Dich denn nicht daran gewöhnen, mit den Andern nach Hause zu gehen? Mußt Du immer so lange trinken, bis Du im Rinnstein liegst? Du hast das doch gar nicht nötig!«

Dem Safur brummt der Kopf, ihm zittern die Glieder, Battanys laute Stimme ist ihm schrecklich…

Kleinlaut versetzt der Dichter:

»Sieh mal, Battany, Du hast nicht das durchzumachen, was ich durchzumachen habe. Glaubst Du, es sei so leicht, mit einem Weibe auszukommen, von dem man abhängt. Du weißt —  wenn ich die Tarub nicht hätte —  könnt‘ ich nicht mehr leben. Zum Betteln bin ich zu stolz. Aber wenn ich’s recht bedenke, müßt ich auch zu stolz sein, bei dieser Tarub zu leben. Ich kann mit der Tarub nur dann weiter leben, wenn ich ihr Herr bin und sie meine Sklavin ist. Kannst Du nicht, Battany, diesem Said die Tarub abkaufen —  —  —  und —  und mir schenken? Tu’s doch! Sei mein Freund!«

Battany lächelt verächtlich.

Er setzt dem Safur dann, ohne auf seinen Vorschlag einzugehen, auseinander, daß er des Abends eine große Tigrisfahrt unternehmen möchte. Der Said, die Abla und die Sailóndula und auch die Tarub sollen mitkommen.

Battany will zwischen Safur und Tarub vermitteln.

Dem Safur schmerzt der Kopf.

Ihm ist Alles recht.

Innerlich ist ihm ganz klar, warum er trank.

Daß er von der Tarub so ganz und gar abhängt —  das hat ihn nach seiner Meinung zum Säufer gemacht.

Also denkt der Dichter gewöhnlich, wenn er seinen Dolch versetzt und viel zu viel getrunken hat.

Er pflegt dann auch seinen Freunden vorzuwerfen, daß sie sein Verhältnis zur Tarub nur deshalb für ganz gut hielten, damit er nicht seinen lieben Freunden zur Last zu fallen brauche.

Diese Vorwürfe spricht der Dichter, der immer sehr vorsichtig ist, natürlich nicht laut aus.


ps_225
%d Bloggern gefällt das: