Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Der Hausmeister hört garnicht mehr, was der Dichter sagt, läßt ihn hinein und geht mit großen Schritten davon —  zu seinem Herrn.

Battany steht in seinem —  Harem —  und —  grübelt.

Seine Frauen liegen in prächtigen bunten Seidengewändern auf den Teppichen und langweilen sich.

Eine Perserin spielt eintönig auf einem langen Saiteninstrument, das mit blitzenden Diamanten verziert ist.

Eine kleine Ägypterin schlägt dazu ein paar glockenförmige Zymbeln von Zeit zu Zeit leise an einander.

Grün schillernde Fliegen summen durch das große Gemach.

Die Frauen wehren mit ihren Fächern die Fliegen von sich ab.

In großen kupfernen Eiskübeln taut laut tropfend das Eis.

Oben an den bunt bemalten Holzwänden bewegen sich leise kleine Sonnenlichter, die durch die großen zierlich geschnitzten Windlöcher sich hineinstehlen in den großen stillen Harem des reichen Al Battany, dessen Frauen sich immer langweilen.

Der Harem ist ganz mit großen Granatbäumen umgeben, damit’s nicht zu heiß wird in den üppigen Gemächern.

Und der Hausmeister kommt an.

Er stürzt seinem Herrn zu Füßen.

Die Frauen richten sich auf.

Der Hausmeister sagt ängstlich:

»O Herr, der Dichter Safur ist da. Aber ich glaube, er ist wahnsinnig geworden.«

Die Frauen schreien.

Battany läßt sich in seiner Sänfte in den Garten tragen.

Zwei schwarze Sklaven halten von hinten hoch über Battanys indischer Goldmütze einen großen roten Sonnenschirm.

Sehr langsam wird Battany getragen.

In seinem Landhause geht Alles langsam zu; laufen darf dort Niemand —  auch die Sklaven dürfen nicht laufen.

In seinem kleinen, leicht gebauten Bücherkioske will der Astronom den Dichter empfangen.

Safur kommt rasch durch die Olivenallee näher.

Der Bücherkiosk liegt da so ruhig wie eine Krone auf einer kostbaren Stickerei.

Die kostbare Stickerei besteht hier aus ganz kurz geschornen grünen Rasen, die von bunten Schnörkeln zierlich durchzogen sind.

Die Schnörkel —  teilweise indische Buchstaben —  werden von kleinen Tulpen gebildet.

Es wurden aber nur drei verschieden gefärbte Tulpenarten verwandt.

Die einen sind rotlila, die andern weißgelb und die dritten graublau.

Diese drei Farben heben sich wunderbar vom dunklen Rasengrün ab.

Und da, wo auf dem Grünen keine Tulpen wachsen —  da sitzen rote, blau und grün, gelb und schwarz, weiß und graugefleckte Papageien fürchterlich steif auf glattgeschnittenen dünnen Holzästen, die alle mit weißem Silber beschlagen sind.

Die bunten Papageien machen einen —  so gelehrten Eindruck —  scheinen alle sehr belesen —  sehr belesen —  denn sie sind ja vor dem Bücherkioske angekettet.

Sehr saubre orangefarbige nicht gemusterte Fliesenwege durchziehen in weichen Linien die kurzgeschorenen Rasen, auf denen die Tulpen blühen und die Papageien angekettet sind.

Riesige Bananen umschließen im genau abgezirkelten Kreise das glatte peinlich saubre Gartenkunststück.

Und hierhin stürmt mit raschen Schritten der wilde Dichter Safur.

Oh! Oh! Wie Battany zusammenschrickt!

Der riecht gleich, was los ist.

Säuferwahnsinn hat den Dichter gepackt —  Säuferwahnsinn!

Die Sklaven müssen sich entfernen.

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