Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Und das Unerwartete geschah.

Blitzschnell zog der Jüngling seinen Dolch und stieß ihn einem jungen Beduinen bis ans Heft in den Leib.

Aber im nächsten Augenblick hatte der Jüngling einen furchtbaren Säbelhieb. Der Säbel ging ihm durch die linke Stirnseite, durchschnitt das Auge und blieb im Kopfe stecken.

Lautlos brach der Heißblütige zusammen.

Das dunkelrote Blut zweier Nebenbuhler besudelte den feinen bunten Fliesenboden.

Entsetzt wandten sich die beiden Gelehrten und die beiden Dichter ab und schritten eilig an den Rosengebüschen und an den Gummibäumen —  an dem reizenden großen Badeteich, in dem Lotosblumen blühten, vorbei —  hinaus —  ins Freie.

Drinnen schrien die Weiber wie die Wahnsinnigen, als wenn das berüchtigte Haus ein Tollhaus geworden wäre.

»Siehst Du!« sagte draußen der dicke Geograph zum Safur, »da siehst Du wieder, wohin die Leidenschaften führen. Hüte Dich vor der Eifersucht!«

Und im Sturmschritt rannte der Dicke seinen drei Freunden voran zur Tigristerrasse.

In Schweiß gebadet kamen die Vier dort an.

Die Tofailys waren schon da.

Die Sonne ging blutrot unter.

Hastig erzählten die Vier ihr Abenteuer.

Aber die Tofailys rührte das nicht allzu sehr. Sie waren ja des Morgens von einem Leichenschmaus gekommen —  von dem Leichenschmaus, den die hübsche Witwe des alten Wollkremplers gegeben, den die Tofailys in jener grünen Schimmelnacht in der Betrunkenheit erstochen haben sollten.

Es ward Nacht.

Man aß und trank.

Abu Hischam sprach wieder vom Bunde der lauteren Brüder.

Und als Alle recht viel getrunken hatten, nahm Abu Hischam feierlich alle Anwesenden in seinen Bund auf.

Suleiman riet vergeblich zur Mäßigung. Er erinnerte vergeblich an die Empfindlichkeit des reichen Battany.

Abu Hischam nahm sämtliche anwesenden Tofailys sehr förmlich in den Bund der lauteren Brüder auf.

Und darauf trank man —  bis Alles betrunken war. —

Die Tofailys lagen schließlich auf der Tigristerrasse umher wie die Scherben einer zerbrochenen Waschschüssel.

Safur dachte an seine Dschinne und an seine Tarub.

An seine Tarub dacht‘ er mit Ingrimm, denn er wußte, daß sie ihm wieder Vorwürfe seiner wüsten Sauferei wegen machen würde.

Der Tigris glitzerte im Mondenschein.

Die lauteren Brüder verstummten und begannen zu schnarchen; der Kopf ward ihnen so schwer wie ein Henkerbeil.

Safur dachte an seine blauäugige schwarze Dschinne.

Jetzt sah er sie wieder hoch oben im Himmel —  übermenschlich groß —  von funkelnden Sternen umstrahlt.


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