Tarub Bagdads berühmte Köchin

Das siebente Kapitel.

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»Endlich!« schreit Kodama in den frischen Morgenwind hinein, »endlich sind wir die dummen Frauenzimmer wieder los. Die Tarub schnauzt, die Sailóndula heult und die Abla will immerfort Rosen haben. Freunde, wir sind frei —  darum wollen wir jetzt auf dem Karawanenplatz Tee trinken. Kommt!«

Und der dicke Geograph geht breitbeinig voran —  die beiden Dichter Suleiman und Safur folgen —  der Philosoph Abu Hischam desgleichen.

Diese vier Leute hatten die drei Frauen nach Hause gebracht —  mit Mühe —  wie sich ja denken läßt —  denn nüchtern war Niemand.

Äußerlich machten jetzt die Vier einen sehr friedlichen Eindruck.

Das war aber Alles nur Schein.

Der Wein hatte die Gemüter ganz gehörig aufgeregt.

Gereizt wandte sich Safur an den dicken Kodama und verlangte Aufklärung in Betreff der Tarub —  den Dichter plagte heiße Eifersucht. Ein Wort gab das andre —  der sonst so gemütliche Geograph mit den herrlichen seidenen Hosen hatte seine ganze wohltönende Beredsamkeit aufzubieten, um den Dichter davon zu überzeugen, daß eine Umarmung doch nur eine Umarmung und ein Kuß doch nur ein Kuß sein könnte.

Der gemütliche Dicke trat währenddem in die Bude eines alten Wunderdoktors und ließ sich in vier zierlichen Näpfchen ein schwarzbraunes dickflüssiges Getränk verabreichen, das Wunder tun sollte gegen den Kater.

Alle tranken das schwarzbraune Zeug und fühlten sich gleich beruhigt —  auch Safur.

Leichtgläubig wie alle Dichter ließ auch dieser leicht sich was einreden.

Das schwergläubige Mißtrauen schien dem Safur ohnehin eine recht lästige Sache.

Die Hitze ist auch schon recht lästig.

Grelles Sonnenlicht flutet durch ganz Bagdad, obgleich es noch immer Morgen ist.

Auf dem Karawanenplatz sieht es sehr bunt aus —  der Platz ist so bunt wie ein Opal.

Die hellen Zelte, auf denen die Sonne brennt, geben dem großen Karawanenplatz das Ansehen eines großen Lagers.

Die mächtigen Blätter der Bananen und die riesigen Palmen ragen in den hellblauen Himmel so beruhigend hinauf —  so beruhigend wie das Grün der Oasen.

Links zeigt ein indischer Schlangenbändiger seine Künste.

Suleiman soll bezahlen und tut’s.

Suleiman denkt nur an den Schneider Dschemil, denn Said hat dem Dichter eine dicke Goldrolle geschenkt —  zum Lohne für das Lobgedicht.

Das Gold hat den Alten schrecklich glücklich gemacht —  er benimmt sich zuweilen ganz närrisch.

Neben ruhenden Kamelen liegen prächtige bunte Teppiche aus Smyrna und Damaskus.

Gelbe Chinesen stehen feierlich neben grellfarbigen Seidenstoffen.

Braune Araber handeln mit Wollenzeug, Baumwolle und Leinen —  die Stoffe zeigen auch alle Farben —  rote, blaue, gelbe, braune und andere.

Alte Ägypter verkaufen Rosenöl und Räucherwerk.

Perser mit langen schwarzen Bärten bieten lustigen braunen Mädchen himmelblauen Türkisenschmuck an. —

Und betrunkne Tofailys kommen jetzt torkelnd und johlend immer näher —  sie sehen Kodama, brüllen ihm was zu —  und dabei fällt der eine Tofaily wie ein abgehackter Baum auf die eine Seite mitten in ein großes Lager irdener Töpfe und Kruken, die ein alter Mann aus Kufa neben sich auf der Erde fein säuberlich aufgestellt.

Mörderliches Geschrei! Das Geschirr klirrt und klappert.

Ein frecher nackter Junge reitet auf einem kleinen grauen Elefanten heran —  und das Tier zerschlägt auch noch ein paar Töpfe.

Höllenlärm!

Die Tofailys lachen, sind aber in großer Not —  die Kaufleute auf dem Karawanenplatz verstehen im Entzweischlagen keinen Spaß.

Kodama bezahlt schließlich die zerbrochenen Gefäße —  widerwillig zwar —  doch mit Anstand.

Die Tofailys sind drob natürlich ganz außer sich vor Vergnügen.

Kodama wird von den Betrunkenen bestürmt —  wie von arabischen Kriegern eine Burg bestürmt wird.

Die Vier sind im Nu umringt.

Und Alle wandeln lachend in die nächste Teebude. —

Schlitzäugige chinesische Mädchen bringen das heiße Getränk in blau bemalten Porzellanschalen herbei.

»Wie geht’s Deinem Bären?« fragt man den Safur —  höhnisch —  denn Safur wird beneidet. Sein Bär, Bagdads berühmte Köchin, leuchtet sehr hell an dem trüben Himmel, der Bagdads berühmte Männer überwölbt.

Abu Hischam muß gleich wieder vom Bunde der lauteren Brüder sprechen.

Doch es wird heiß.

Auch unter den hellen Leinendächern der Zelte und Marktbuden nimmt die Hitze ganz beträchtlich zu.

Die Augen kann man garnicht mehr ordentlich offen halten —  die Sonne blendet.

Tiefblau sind die Schatten der Palmen und Bananen.

Vor den Teezelten liegt die große Moschee.

Und rechts von der Moschee ragen die hohen, auf einem Hügel gelegenen Paläste der Kalifenburg mit vielen vielen Türmen und bunten Galerien in den glühenden Himmel hinauf.

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