Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Und die Fackeln qualmen, daß man das indische Götzenbild kaum mehr sieht.

Man sieht nicht mehr die Decke mit ihren blauen und grünen Mustern auf dem prächtigen Goldgrunde.

Aber man sieht noch die silbernen und roten Querstreifen auf den Wänden, die blitzen oft auf im Fackelschein.

Die Schwarzen stehen tiefernst; mit beiden Fäusten halten sie die Fackeln; ihre orangefarbigen Lendentücher leuchten.

Die zwölf roten Flammen knistern.

Die Flöten ziehen in weichen Tönen durchs Gemach.

Die indische Sailóndula tanzt.

Doch jetzt wollen Alle, daß Sailóndula nackt tanze.

Sie besinnt sich.

Und Battany legt sich aufs Bitten.

Abla bittet den Kodama um die roten Rosen, die er der Tarub geraubt, singt leise:

»Schenk‘ mir Dein Roß Und schenke mir Rosen!«

Doch dann tanzt Sailóndula nackt, ihr weingrünes Gewand fliegt hastig an die Seite.

Die Flötenspieler spielen ein wildes Jagdlied.

Hei —  wie sich die gelben wunderschönen Glieder jetzt bewegen.

Nicht mehr ruhig ist der Tanz.

Ein wildes tolles verzerrtes Springen und Stampfen geht los.

Der Körper des Mädchens zittert.

Sailóndulas Muskeln schwellen an, daß sie fast so stark erscheinen, wie die Muskeln der schwarzen Fackelträger.

Aber jetzt —  plötzlich —  da weiten sich die Augen der nackten Tänzerin.

Sie sieht was —  ein alter indischer Tempel steigt vor ihr auf —  mit herrlichen Pforten und reizend durchbrochenen Türmen, die wie Filigrangebilde sich aufrecken —  wie Elfenbeinschnitzereien…

Und neben dem Tempel fließt der heilige Ganges im Fackelschein.

Und ein Jüngling kommt aus dem Tempel raus und starrt die Sailóndula an.

Mit einem gellenden Schrei bricht das Mädchen zusammen.

»Mein Kleid! Mein Kleid!« ruft es angstvoll.

Battany und seine Freunde eilen auf die gelbe Tänzerin zu; sie wissen nicht, was ihr fehlt.

Sie aber reißt sich mit den Nägeln den Busen blutig, daß das Blut ihren gelben Leib hinunterrieselt.

Und dann brechen ihr die Tränen hervor.

»Meine Heimat!« schluchzt sie.

Und dann weint die Sailóndula wie ein Kind —  wie ein ganz kleines Kind.

Battany gibt ihr Wein.

Doch sie schlägt ihm den Becher aus der Hand.

Sie weint furchtbar und windet sich dann in Krämpfen.


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