Tarub Bagdads berühmte Köchin

Das sechste Kapitel.

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Die Mongolen reiten langsam um die Sternwarte rum und spitzen die Ohren —  sie hören was.

Sie zügeln ihre schwarzen Rosse und horchen weit über den Kopf der Pferde gebeugt in das Dunkel hinein.

Dann erkennen sie die Stimmen, reiten rasch an den Turm, der oben den Empfangssaal trägt, und wecken die Schwarzen.

Nach ein paar Augenblicken sind die zwölf schwarzen Sklaven mit zwölf Fackeln draußen.

Die Sklaven eilen mit den Fackeln dem Herrn Battany, der mit seinen Freunden, den Mädchen, den Flötenspielern und Weinschläuchen langsam näher kommt, diensteifrig entgegen.

Die Fackeln erleuchten den Pfad.

Die Mongolen sitzen auf ihren Pferden ganz stramm.

Und bald sind Alle oben im Empfangssaal.

Nur die Mongolen sind unten geblieben.

Der Herr Battany ist guter Dinge und schickt gleich die Flötenspieler in den dritten Turm, in dem er gewöhnlich zu arbeiten pflegt.

Die Sklaven mit den Fackeln werden auf den Galerien, den beiden anderen Türmen und auf dem Altane verteilt.

Auf dem fünfeckigen Altan leuchten jetzt fünf Fackeln in fünf schwarzen Fäusten.

Die drei Mädchen schenken den Wein in die großen Becher.

Und Alle trinken die großen Becher in einem Zuge aus.

Und dann küssen die drei Mädchen den Battany und seine sieben Freunde so stürmisch, daß Allen ganz schwindlig wird.

Jetzt wird’s sehr laut.

Alles lacht und schreit.

Der Wein berauscht.

Und Abla will singen —  doch sie will nur singen auf Abu Maschars hohem Turm —  Abu Maschar soll mitkommen.

Der Prophet geht schließlich lächelnd mit der weißen Abla auf seinen Turm.

Und Abla singt oben den neuesten Gassenhauer —  die berühmten Sareppastrophen, die im Jahre 892 nach Christi Geburt in allen Schänken Bagdads gesungen wurden.

Die Strophen waren von einem unbekannten Sänger der berüchtigten Sareppa gewidmet.

Die Sareppa ist eine schlitzäugige Mongolin, die besser reiten kann als die Beduinen.

Die Abla singt:

»Warum bist Du bös auf mich, Wilder brauner Wüstensohn? Warum bist Du ärgerlich? Ist das meiner Liebe Lohn? Schenk mir Dein Roß Und schenke mir Rosen! Liebst mich heute ganz allein — Morgen muß es anders sein. Komm wieder rein! Ich schenk Dir Wein! Willst Du eifersüchtig sein? Ach, Du bist es nicht allein — Hör doch meine Freunde schrein — Jeder will mich heut schon frein — Schenk mir Dein Roß! Komm wieder rein! Willst Du meine Freunde schlagen, Steigst Du noch in meiner Gunst. Mußt Dein Leben für mich wagen, Sonst ist Lieben keine Kunst. Schenk mir Dein Roß — Und schenke mir Rosen! Liebst mich heute ganz allein — Morgen muß es anders sein.«

Alle lauschten —  die Strophen klangen weich und voll durch die Nacht.

Die Fackeln flammten unheimlich in den Sternenhimmel hinauf.

Unten flüsterten die Mongolen —  oh —  die kannten die Sareppa.

Die Abla hatte nicht so gesungen, wie man die Sareppastrophen in den Schänken zu singen pflegt —  Manches hatte so schwermütig geklungen.

Im Empfangssaal hätten die Männer beinah das Trinken vergessen…..

Doch die Menschen werden so anders, wenn sie beim Trinken sind.

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