Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Der zweite Gang ist saurer Aal in Panthertunke —  Al Battanys Leibgericht.

Der Springbrunnen plätschert.

Die Flöten verstummen.

Und die drei Mädchen überreichen jedem Gast einen Becher mit Wein.

Feierlich heben alle die Becher empor, und dann wird getrunken.

Alten Wein aus Bassora trinkt man.

Verständnisinnig trinkt man den alten Wein.

Und dann gibt’s indische Schnecken.

Die Gesichter der Gäste glänzen.

Das Gespräch beginnt.

Battany setzt dem Abu Maschar in wohlgesetzter Rede auseinander, daß eine Fortentwicklung der Welt und der Menschen durchaus nicht zu leugnen sei —  das sähe man schon an der großen Stadt Bagdad, die einst ein armseliger Marktflecken gewesen —  das sähe man an den indischen Schnecken, die in dieser Zubereitung sicherlich in früheren Zeiten nicht gegessen worden wären…

Said lächelt stolz, daß son gelehrtes Zeug bei ihm geredet wird —  er versteht natürlich kein einziges Wort von dem ganzen Gespräch, an dem sich außer Abu Maschar und Al Battany auch Abu Hischam und Jakuby lebhaft beteiligen. Man erhitzt sich beinah.. deswegen läßt der Hausherr kälteren Wein bringen.

Und die Flötenspieler flöten immerfort.

Man ißt Antilopenschinken mit gefrorenem Wurzelsalat —  und zwar nicht wenig.

Die Liebenswürdigkeit der drei Mädchen dringt nicht durch.

Als aber Kamelsgehirn gebacken aufgetragen wird auf flachen silbernen Tellern —  da kann sich Safur nicht mehr halten.

»Freunde«, ruft er laut, »Ihr eßt nich‘ mit der nötigen Andacht. Oh dieses Kamelsgehirn —  entzückend —  wir müssen auf Tarubs Wohl trinken —  auf Tarubs…«

Alle trinken auf ihr Wohl.

Und dann essen Alle Kamelsgehirn und danach —  Schildkröten gesotten.

Safur vergeht fast vor Seligkeit.

Er ißt mit so großem Entzücken, daß Alle lachen müssen.

Seine Augen leuchten wie dicke große Glühwürmer.

Und der Said sagt schmunzelnd zum Safur:

»Junger Freund! Gib Verse zum Besten!«

Der junge Freund läßt sich diesmal nicht lange bitten, spricht mit dem Messer drohend:

»Glaubt mir! Den Hund ich töte, Der mir die schöne Kröte Zu rauben wagen sollte.

Der Ampeln dunkle Röte Durchglühet meine Kröte Als wenn sie brennen wollte.

Weh‘ dem, der mir verböte, Die wunderbare Kröte Zu speisen und zu preisen!

O Kröte! Schöne Kröte!«

Und des Dichters Messer funkelt hell. Saids Gäste lachen und trinken.

Das Gespräch über die Entwicklungsfähigkeit von Welt und Menschen kommt ganz ins Stocken. Battany kann nur noch dem Abu Hischam versichern, daß der Plan, einen geheimen Gelehrtenbund zu gründen, durchaus nicht übel sei und später wohl zur Ausführung kommen könne.

Abu Hischam reibt sich drob vergnügt die Hände.

Jetzt wird aber armenische Rübenpastete aufgetragen —  und die macht den Philosophen noch vergnügter, denn die Rübenpastete ist sein Leibgericht.

»Donnerwetter!« brüllt er stürmisch, »Said, Du bist ja fürchterlich aufmerksam gewesen.«

Den andern Gästen schmeckt allerdings die armenische Rübenpastete ganz und gar nicht.

Sie verziehen die Gesichter.

Said lächelt.

Erst wie die gebratenen Tauben vom Demawand erscheinen, wird die Stimmung wieder gemütlicher.

Wie die Knöchlein der Tauben knacken und knistern, wird dem Safur, der schon sehr viel Wein getrunken, so gereizt zu Mute.

Die Flötenspieler flöten wieder.

Und die drei Mädchen sind so aufdringlich.

Allerdings —  das rührt die Gäste sehr wenig.

Dem Battany ist die Liebenswürdigkeit der Mädchen sehr unangenehm —  er ist daran gewöhnt, daß die Frauen bescheiden in der Ecke stehen und kaum zu atmen wagen.

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