Tarub Bagdads berühmte Köchin

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Der schaut erstaunt erst die Abla an —  die so reizend aussieht in ihren Beinkleidern aus hellblauer Seide —  ihr Oberkörper ist nur mit einem zarten, ganz dünnen, weißen Spitzenhemd umhüllt. Dann schaut er ebenso erstaunt die Sailóndula an, die einen weingrünen Seidenrock trägt, der nur bis zum Knie reicht. Die schlanken Beine des gelben Mädchens sind vom Knie ab unverhüllt.

»Kinder!« bemerkt dann bedächtig der Hausmeister, »wo habt Ihr denn die schönen Kleider her?«

»Die hat uns Said«, erwidert die weiße Abla, »beim Schneider Dschemil gekauft. Weißt Du auch warum?«

»Ach, wie soll ich das wissen?« versetzt der Alte.

Und nun erklären die beiden Mädchen flüsternd und hastig, daß sie zu den Gästen fürchterlich liebenswürdig sein sollen, damit die Gäste nicht zu viel essen…

Und kichernd erzählen auch die Beiden, daß sie einen Plan ausgeheckt haben: sie wollen dem Said, dem alten Geizhals, beim letzten Gericht einen Schlaftrunk geben… d. h. der gute Hausmeister soll dem Said den Schlaftrunk geben. Die Mädchen küssen den Alten —  und er weiß sich nicht zu helfen —  er verspricht Alles zu tun, was man von ihm verlangt…

Jetzt ist es aber ganz dunkel geworden.

Die Knaben stecken die Öllämpchen in den gurkenförmigen roten Ampeln an…

Wie die brennen —  erscheint die Tarub.

Sie hat dunkelrote Rosen im schwarzen Haar, der Zopf liegt ihr auf der Brust. Ein gelbseidener Rock umhüllt ihren braunen breiten Körper bis zum Knie, und schwarzseidene Beinkleider umhüllen bauschig ihre dicken Beine.

Die sechs Arme der Mädchen sind ganz unbekleidet, doch die sechs Füße stecken in kleinen roten Lederpantoffeln.

Was jedoch tut die Tarub?

Oh —  die schimpft gleich wieder.

Die muß immer schimpfen, sonst kann sie nicht leben.

Sie schimpft, daß das Räucherwerk noch nicht brennt.

Na —  die Knaben beeilen sich, Myrrhen, Weihrauch, Sandarakholz und andre wohlriechende Stoffe vorsichtig anzuzünden.

Die Rauchwolken wirbeln empor.

Und die Gäste erscheinen.

Es kommen immer zwei zugleich, Arm in Arm —  aber schweigend.

Abu Maschar kommt mit Abu Hischam.

Battany kommt mit Jakuby.

Osman naht am Arm des Kodama.

Die Mädchen kichern, wie diese beiden Dickbäuche feierlich eintreten.

Zuletzt erscheint Safur mit Suleiman.

Der Letztere hält eine Rolle in der Hand.

Die acht Freunde begrüßen die lachenden Mädchen —  die Tarub mit ganz besondrer Hochachtung — , die benimmt sich daher auch ganz königlich —  die ist so glücklich und so stolz.

Die acht Freunde warten alsdann.

Said pflegt immer —  seine Freunde warten zu lassen. Das ist so Sitte in seinem Hause.

Nach einer guten Weile aber kommt der Hausherr endlich zum Vorschein —  er trägt einen schwarzen Seidenkaftan und einen schwarzen Seidenturban.

Zwei schwarze Knaben fächeln dem Hausherrn mit indischen axtförmigen Fächern Kühlung zu.

Die Gäste verbeugen sich.

Said lächelt.

Dann treten Alle zur Seite, und Suleiman geht dem größten Geizhals von ganz Bagdad —  diesem unglaublichen Said ibn Selm —  mit einer Ehrfurcht entgegen, mit der man in Bagdad gewöhnlich nur dem verrückten Kalifen zu nahen pflegt.

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